Markus Nicolai Optic

Retail – Markus Nikolai Optic

Markus Nikolai ist wohl einer der vielseitigsten Persönlichkeiten in der Optikerbranche. Schon während seiner Ausbildung machte er professionell Musik. Diese eher ungewöhnliche Kombination von Optik und Musik wurde ihm quasi in die Wiege gelegt. Sein Vater war nämlich Optiker und sein Großvater Dirigent. So kann Markus Nikolai bereits auf eine musikalische Erfolgsgeschichte zurück blicken. Neben Verträgen mit Warner Bros. oder Sony Music, machte er mit seiner Band auch Musik für Hollywoodfilme, ging auf Europa-Tournee und gründete sogar ein eigenes Plattenlabel. Parallel dazu machte er sich nach seiner Optiker-Meisterprüfung im Jahre 1993 in Frankfurt selbstständig und eröffnete 2001 den modernen „Markus Nikolai Optic“ Store. Seitdem ist es ein ständiges Hin und Her für Markus Nikolai.  Was den selbstbewussten Multitasker letztendlich an Optik und Musik inspiriert, und was diese auf den ersten Blick doch so unterschiedlichen Bereiche gemeinsam haben, verrät er uns im Interview.

Markus, du bist Musiker und gleichzeitig Optiker. Inwiefern beeinflusst die Musik deine Arbeit als Optiker? Gibt es da Verbindungen?

Ständig gibt es Verbindungen. Beides beeinflusst sich gegenseitig. Sei es, dass ich Leute sehe­ – bei Auftritten irgendwo in der Welt und Ideen für Brillen bekomme oder Kunden berate und plötzlich Ideen für Musik bzw. Texte habe.

Was reizt dich am Beruf Optiker?

Es ist ein sehr vielfältiger Beruf. Man hat mit Mode zu tun, aber auch mit Medizin, Handwerk und Kaufmännischem. Man kann sich auf vielfältige Weise inspirieren lassen. Ich gehe zum Beispiel nicht gerne auf Messen, auch andere Optik-Geschäfte langweilen mich. Sie zeigen den Trend der großen Einheitsfabriken. Ich bekomme Inspiration woanders her.

Was ist Markus Nikolai Optic? Wie lässt sich die Geschäftsphilosophie beschreiben?

Wir sind ein Optik Fachgeschäft ohne Kompromisse! Weder an Qualität, noch an Design. Von der Auswahl der Fassung bis hin zur Anpassung. Unser Qualitätsanspruch wird auch bei Betrachtung unseres Teams deutlich. Wir haben super Mitarbeiter. Alle sind Augenoptikermeister, aber jeder mit eigener, individueller Persönlichkeit. Qualität heißt für uns auch, selbst Hand anzulegen. Wir schleifen bei uns alle Gläser auf japanischen Hightech Maschinen in der Werkstatt.

Was macht Markus Nikolai Optic zu etwas Besonderem?

Wir haben einen eigenen, konsequenten Stil der fernab von dem ist, was andere Optiker machen. Wir führen zum Beispiel keine Mainstream Labels. Wir legen Wert auf Marken, bei denen die Qualität im Vordergrund steht, nicht das Logo und der Markenname auf der Fassung sind bei uns zentral. Sind wir von einem Label überzeugt, nehmen wir die komplette Kollektion auf und nicht nur einzelne Modelle.

Schaut man sich in deinem Geschäft um, fällt dies sofort auf. Diese Markenphilosophie ist ja sehr speziell und außergewöhnlich? Was ist die Motivation dahinter?

Unser Hauptanliegen ist Qualität und ich will eine Null-Prozent-Reklamationsquote haben. Modemarken, die in einer Einheits-Lizenzfabrik hergestellt werden, und nur ihren Namen auf die Fassung drucken lassen, interessieren mich nicht. Unsere Kunden brauchen keine Marke, um sich zu schmücken oder um sie als Prestigeobjekt einzusetzen. Sie sind selbst Persönlichkeiten, sie finden bei uns die passende Brille dazu – ohne Label darauf. Wir helfen ihnen dabei! Und auch bei den Marken, die wir führen, achten wir darauf, immer auch besondere Modelle zu führen. Es spricht sich dann natürlich rum, dass wir haben, was andere nicht haben. Unser Anspruch an Design ist, dass es ausgefallen und dabei zeitlos sein muss. Zeitlos in dem Sinne, dass es dem aktuellen Trend entspricht,  aber nicht „alt“ wirkt, sodass man sich daran niemals „satt“ sehen kann.

Welche Labels schaffen denn bei diesem Anspruch den Sprung in euer Geschäft?

Eine Entwicklung, die ich jetzt schon öfter beobachtet habe, ist, dass wir eine kleine Marke entdecken und aufnehmen. Im Laufe der Zeit kommen andere Optiker und wollen diese Marke auch haben. Ich finde das immer schade, wenn dann diese Marken wieder von allen abgegriffen werden. Klar bin ich interessiert daran, dass eine gute Marke größer wird. Aber gerade wenn eine Marke, die wir davor alleine geführt haben, auch bei anderen Optikern vertrieben wird, achte ich darauf, dass wir trotzdem noch exklusive Ware anbieten können. Mykita zum Beispiel sind gute Freunde von mir. Hier haben wir exklusive Farben und Modelle, die es sonst nirgendwo gibt. Der Kunde, der zu uns kommt, weiß das auch. Natürlich kann es auch sein, dass wir uns in ein paar Jahren von den Marken trennen, die wir aktuell führen. Das machen wir, sobald diese Marken überall erhältlich sind, und schließlich die Qualität zu wünschen übrig lässt. Solche Entwicklungen kann man nie voraussehen oder ausschließen

Was sind aus deiner Sicht aktuelle Newcomer, kleine Marken, die Potential haben?

Komm‘ in unser Geschäft und du siehst sie dort alle. Im Moment macht es mir aber gerade ein bisschen Sorgen. Wir waren auf einer Optik-Messe in Mailand und es war total langweilig. Es gibt einfach nichts Neues! Andererseits beruhigt mich das auch, weil ich dann merke, dass wir schon das Beste haben! Ich persönlich finde es auch nicht so gut, wenn sich alles so schnell verändert. So kurzlebig ist die Mode doch gar nicht. Es gibt Marken die produzieren bis zu 200 neue Modelle pro Jahr! Das kann man doch alles gar nicht verkaufen. Andererseits gibt es alte Modelle, die noch immer ultimativ gut sind. Mykita oder ic! Berlin zum Beispiel produzieren einige ihrer alten Modelle nur noch für uns. Wie gesagt, wenn es zum Kunden passt, passt es eben auch zu uns.

Welche Styles werden in 2011 starke Akzente setzen?

Grosse, dünnrandige Kunststofffassungen. Verspiegelungen in pink, grün, blau, rot.

Wer kauft seine Brillen bei euch? Sind es nur Frankfurter Kunden oder kommen diese auch von weiter her?

Eigentlich von überall: Frankfurt, Umland und international, bekannte Persönlichkeiten wie ganz normale Menschen. Typisch ist Selbstbewusstsein und ein hoher Anspruch an Qualität. Das zieht sich quer durch alle Bereiche, von den super Gestylten bis hin zu Leuten, die eher etwas Konservatives wollen.

Bei der Location deines Geschäfts kann man nicht gerade von einer Lauflage sprechen. Was macht ihr in Sachen Werbung, um dennoch einen vollen Laden zu haben?

Nichts! Mein Konzept ist da ganz einfach.  Word of mouth follows quality. Gute Qualität und innovative Designs sprechen sich auch von alleine herum. Wir brauchen keinem zu sagen, wie gut wir sind. Das machen unsere Kunden von allein. Wenn wir keine gute Leistung mehr bringen, gehen wir unter – und das ist gut so!

Gibt es Kooperationen mit anderen Optikern?

Es gibt die „Markus Nikolai Optic Group“ (MNO Group) – ein Zusammenschluss aus 14 Optik-Geschäften aus ganz Deutschland mit gleicher Philosophie. Wir sind alle Freunde aus der Meisterschule. Ergeben hat sich das, als wir alle nach gemeinsamen Messebesuchen gemerkt haben, dass wir eigentlich viel bessere Ideen haben und uns nicht von jedem Quatsch beeinflussen lassen müssen. Unser Ziel ist es, unser Level zu halten und mehr noch: uns qualitativ zu verbessern. So bieten wir regelmäßig Schulungen und Meetings über Neuerungen aus dem gesamten Optikbereich an.

Also eine Art Erfahrungsaustausch in der Optikbranche?

Ganz genau. Wir kommunizieren viel und bemühen uns immer um das Beste in allen Bereichen – medizinisch wie modisch; handwerklich wie persönlich. Wichtig ist: Es gibt nicht DIE beste Brille oder DIE beste Kontaktlinse. Es gibt immer nur das Beste für den jeweiligen Kunden. In unserer Branche ist es üblich, mit einem Lieferanten einen Rabattabschluss zu vereinbaren und dann mit dessen Produkten möglichst viel Umsatz zu realisieren. Das schränkt natürlich in der individuellen Sortimentsgestaltung ein. Wir spielen da nicht mit und können deshalb wirklich das verkaufen, was für den Kunden am ehesten passt – unabhängig vom Lieferanten.

Ihr habt mit Markus Nikolai Eyewear und Mina auch Eigenlabels. Wie kann es dazu?

Wir fertigen schon seit Bestehen unseres Geschäfts individuelle Brillenfassungen an. Dies ist aber wirklich individuell. Auf Kopf und Nase des Kunden zugeschnitten, per CAD erstellt. So ein halbindividuelles Zusammenstellen der Fassung aus vorgefertigten Teilen machen wir nicht. Aus diesem Grund entstanden auch unsere „MNE“ Markus Nikolai Eyewear Modelle, da wir Fassungen umsetzen, die es woanders nicht gibt – sei es das Design oder die Passform.

Was ist das Besondere an dem Eigenlabel?

Wo gibt es das schon, dass ein Kunde mit der Zeichnung einer Brille in den Laden kommen kann und wir sagen: „Oh cool, das bauen wir! Und wenn sie dir nicht gefällt, dann musst du sie auch nicht nehmen!“ Mittlerweile haben sich auf diese Art ungefähr 80 Modelle angesammelt. Von uns wird das aber nicht in größerer Stückzahl angestrebt. Deswegen will ich auch nicht von einer eigenen Kollektion sprechen. Es geht hier in erster Linie darum, dem Kunden eine Option zu geben, die für ihn perfekte Brille zu finden. Durch diese selbstgebauten Modellen ist eine kleine Auswahl entstanden, und da das ja alles Sachen sind, die es so gar nicht gibt, verkaufen sie sich auch irgendwann – auch Modelle, die 10 Jahre alt sind. Das war auch die Idee hinter der Mina Kollektion, Mina ist der Name meiner Tochter. Viele Marken haben Modelle, die einfach Urklassiker sind, aber trotzdem standardmäßig nach zwei Jahren aus dem Programm genommen werden. Die sind aber so gut, dass man sie immer noch verkaufen könnte. Wir kopieren mit Mina also diese Klassiker, die Kunden wissen das natürlich auch.

Wie sieht deiner Meinung nach die Zukunft der Branche aus?

Ich denke, es wird – wie in anderen Branche auch – eine gesunde Bereinigung des Marktes stattfinden. Die Kunden sind kritischer. Sie überlegen zweimal, bevor sie sich die Armani-Brille beim Optiker um die Ecke kaufen, die aussieht wie die Prada vom vergangenen Jahr.  Die wiederum sah aus wie die Gucci vom vorvergangenen Jahr. Lieber schauen sie dann doch mal bei uns rein. Die guten Geschäfte bleiben.

Auch wenn es hart auf hart kommt, was wird Markus Nikolai Optic niemals tun?

Schlechte Qualität verkaufen.

Was magst du besonders an deiner Arbeit?

An meiner Arbeit mag ich besonders, dass ich gar nicht arbeite. Ich bin im Geschäft oder im Musikstudio, oder auf Messen, oder auf Live Tour. Arbeit ist das für mich nicht.

 

Markus, vielen Dank für das Interview!

 

 

Text: Marie Hermann

Fotos: Stefan Dongus

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