Kittel X Kittel

Kittel and Kittel
Same, same, but different

Das geflügelte Wort „same, same, but different“ kommt eigentlich aus Thailand und man kann es eigentlich fast wörtlich übersetzen – genau gleich, eigentlich, aber eben doch anders. So ist das nicht selten im Leben, und ganz besonders zutreffend bei Brüderpaaren. Denn so identisch der Genpool auch sein mag, irgendwer dort oben am DJ-Pult scratcht jedes Mal kräftig an den Plattentellern, bis ein neuer Remix zum Vorschein kommt. So wie bei den Optikern Gerd und Karsten Kittel aus Düsseldorf. Obwohl die beiden Brüder so viele Ähnlichkeiten haben, die sie letztendlich auch in denselben Beruf geführt haben, sind die augenscheinlichen Unterschiede doch erheblich: Anzug vs. 7-Tage-Bart, Budapester vs. Sneaker oder auch linksrheinisch vs. rechtsrheinisch. Dass trotzdem nur ein Herz in ihrer beider Brust schlägt, haben wir bei ihrem Besuch in der Eyewear Redaktion gemerkt – als die beiden nämlich alle 400 Modelle, die dort fürs Fotoshooting bereit lagen, am liebsten sofort mitgenommen hätten. Den Rest erzählen sie im nun folgenden Interview selbst.

Hallo Gerd, hallo Karsten. Ihr seid Brüder und beide Optiker – Zufall oder wurde euch der Beruf in die Wiege gelegt?
Gerd: Eigentlich habe ich das meiner Schwester zu verdanken, sie hat mir den Tipp gegeben. Damals war ich mehr auf Zahntechnik fixiert – ich wollte auf jeden Fall was Feinhandwerkliches machen.
Karsten: In jungen Jahren weiß man doch in den seltensten Fällen, was man den Rest seines Lebens machen soll, da lässt man sich gerne einmal vom Umfeld inspirieren.

Gerd, was war deine Motivation, Optiker zu werden?
Gerd: Ich habe ein Praktikum bei einem Optiker in Leverkusen gemacht, was mir gut gefallen hat.

Euch trennen ja fünf Jahre voneinander. Ist Gerd dir als großer Bruder bei der Berufswahl Vorbild gewesen?
Karsten: Auf jeden Fall, zumal wir uns früher noch ähnlicher waren als heute.

Gerd, konntest du Karsten nicht davon abhalten, in deine Fußstapfen zu treten?
Gerd: Nein, wieso sollte ich? Ich mag meinen Beruf, und Karsten hat damals einmal in den Ferien bei uns gejobbt, da wusste er ja, was ihn erwartet.

Schaut man im Internet unter www.optik-kittel.de findet man eure Website mit den beiden Stores in Pempelfort und Heerdt. Eine Website – ein Unternehmen? Oder zwei getrennte Geschäfte mit einem gemeinsamen Internetauftritt?
Karsten: Irgendwie ein bisschen von beidem. Es sind zwar zwei Geschäfte, aber wir gehören schon irgendwie zusammen. Wir ergänzen uns, helfen einander aus, deswegen also auch nur eine Website! Ein Kumpel von mir hatte die Seite ursprünglich nur für mich gemacht. Irgendwann hat sich dann der Gerd eingeklinkt. Damals war für mich das Internet noch nicht so wichtig, ich hab es eher als Gegner angesehen. Heute freue ich mich jedes Mal, wenn mein Kumpel eine neue Brille möchte und er mir dafür die Website updatet.

Was unterscheidet eure beiden Konzepte voneinander?
Gerd: Ich bin seit der Eröffnung meines Geschäftes mit meinen Kunden älter geworden und mehr im Gleitsichtbereich angekommen. Daher ist meine Modellauswahl eher klassisch-modisch ausgelegt. Meine Kunden sind schon sehr anspruchsvoll und haben sich auch im Design- und Qualitätsbereich entwickelt.

Karsten: Ich bin schon eher der ausgefallenere Part von uns beiden und zum Beispiel in der Düsseldorfer Szene aktiver, in der sich auch der Großteil meiner Bekannten rumtreibt. Ich veranstalte Funky Frames Partys oder nehme an Fußballturnieren teil wie „Dem Chuck Norris sein Cup“. Ich trage lieber Sneakers, weil ich mich darin wohler fühle und stehe auf fette Brillen. Ich versuche nur das zu machen, was mir Spaß macht und damit höre ich im Geschäft nicht auf. Standortbedingt muss ich die Leute auch mehr locken. Für Brillen, die jeder hat, kommt keiner zu mir raus.

Was bedingt Eure unterschiedlichen Konzepte? Ist es eine Absprache zwischen Euch beiden oder verwirklicht jeder sein eigenes, für ihn richtiges Konzept?
Karsten: Ich habe lange für andere Firmen gearbeitet und konnte mich dabei nicht verwirklichen. Jetzt mache ich das, was mir Spaß macht und das merken meine Kunden. Sie fühlen sich dardurch ehrlicher beraten. Um das zu lernen, muß man seine Erfahrungen machen.

Gerd: Da ich früher schon sehr eigenständig als Geschäftsführer gearbeitet habe, war es eigentlich nur eine Frage der Zeit bzw. die konsequente Folge, dass ich mich selbstständig gemacht habe. Jeder für sich, hat eigentlich sein eigenes Konzept und seine Philosophie. Wir tauschen uns aber auch viel aus und besuchen zum Beispiel regelmäßig Messen gemeinsam.

Es gibt bei euch ja auch Markenüberschneidungen. Wie viel Prozent eures Markenportfolios werden auch vom Bruder geführt?
Gerd: Zur Zeit sind es vielleicht 20 Prozent, meistens eher Nischenlinien wie z. B. kleine Fassungen von Colibri. Früher war es etwas mehr, aber selbst wenn wir Überschneidungen bei den Firmen haben, suchen wir selten die identischen Modelle aus.

Sieht der typische Gerd Kittel Kunde anders aus als das typische Karsten Kittel Klientel?
Karsten: Meine Kunden sind jünger, cooler, netter, sehen super aus und spielen in einer Band.
Gerd: Ja, Ja…

Gibt es Kunden aus Heerdt, die ihre Brille bei Kittel in Pempelfort kaufen und umgekehrt?
Gerd: Sollte gelegentlich ein Kunde in einem Geschäft mal nicht fündig werden, wird immer das andere Geschäft empfohlen, Hauptsache es wird eine „Kittel-Brille“!

Inwiefern nutzt ihr neben eurem gemeinsamen Internetauftritt Synergien? Gibt es Rabatte, gemeinsame Werbeaktionen oder ähnliches?
Karsten: Da nehm ich alles mit, was geht! Gerd kümmert sich gern um sowas und das macht er auch noch richtig super!
Gerd: Ja, bei unserem Glaslieferant haben wir einen gemeinsamen Abschluss und einige Werbeaktionen sowie „Pflichteinträge“ in Telefonbüchern etc. machen wir gemeinsam. Aber bei Fassungen und Linsen kaufen wir sowieso nicht „rabattorientiert“ ein, sondern nehmen das, was gefällt und für unsere Kunden benötigt wird. Wenn von Seiten des Lieferanten ein Rabattsystem besteht, nehmen wir das natürlich auch an.

Sprecht ihr euer Markenportfolio ab? Und wie darf man sich das vorstellen? Lauft ihr gemeinsam über die Messen und fragt euch gegenseitig höflich, wer das neue Label ordern darf?
Gerd: Ja, genauso machen wir das … immer mit der nötigen Portion Humor!

Versuchen Lieferanten auch schon mal, euch gegeneinander auszuspielen? Und wenn ja, wie geht ihr damit um?
Karsten: Kommt schon mal vor, dann aber nur einmal.
Gerd: Gegeneinander ausspielen würde ich es jetzt nicht nennen, aber gelegentlich hat sich der eine oder andere Außendienstmitarbeiter schon ein wenig weit aus dem Fenster gelehnt, der muss dann schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt werden.

Gab es nicht auch Überlegungen, gemeinsame Sache zu machen, also ein wirtschaftliches Joint Venture?
Gerd: Zurzeit gerade nicht, aber für ein zukünftiges zusätzliches Projekt durchaus denkbar.
Karsten: Gerd, super Idee!

Da ihr ja beide in der gleichen Stadt tätig seid und mitunter die gleichen Marken im Sortiment führt, steht ihr ja auch im Wettbewerb zueinander. Trübt das nicht das Geschwisterverhältnis?
Karsten: Nein, selbst wenn wir gleiche Marken haben, sind die Modelle, die wir einkaufen, recht unterschiedlich, wie mir bei der vergangenen Messe aufgefallen ist.

Es muss doch auch schon Situationen gegeben habe, in denen ihr „aneinandergeraten seid“? Gibt es Anekdoten?
Karsten: Nix, was nicht mit einem Bier zu klären wäre.

Was macht ihr in Sachen Marketing und Kundenbindung?
Gerd: Aktive Tätigkeit im Düsseldorfer Karneval und Sponsoring regionaler Fußballvereine, Teilnahme an gemeinsamen Events von befreundeten Geschäftsnachbarn (Parfümerie, Modeboutique), sowie unsere legendären O.K.- Geburtstagsparties.

Welche Styles werden 2012 Akzente setzen?
Karsten: Egal, Hauptsache kein Einheitsbrei.
Gerd: Es wird bei großen Modellen bleiben, zunehmend werden die Formen etwas weicher und die Farben heller, gelegentlich auch mal bunter. Der Kunststoffbereich bleibt dominierend.

Wie sieht eurer Meinung nach die Zukunft der Branche aus?
Karsten: Rosig!
Gerd: Ich habe meine Selbständigkeit nie bereut und daran ändert sich hoffentlich auch nichts.

Auch wenn es hart auf hart kommt, was wird Gerd Kittel niemals tun?
Gerd: Kontaktlinsen über das Internet verkaufen!

Und Karsten Kittel?
Karsten: Ich würde niemals zu den Bayern gehen!

Karsten, was könnte Gerd anders machen?
Karsten: Solange er sich die Haare nicht färbt, ist alles gut.

Gerd, du als großer Bruder hast doch bestimmt auch einen Tipp für Karsten?
Gerd: Gib’ endlich das Rauchen auf.

Danke für das Interview.
Wir haben zu danken!

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