Alpenglühn Zürich

„Peter, lueg dä Berg brännt“ Wer hat’s gesagt? Richtig: Heidi! Ob die kleine Schweizerin dabei von der großväterlichen Hütte aus die Berggipfel bei Sonnenuntergang beobachtete oder ob sie mit dem Ziegenpeter im Züricher Optikergeschäft ‚Alpenglühn’ nach einer Brille suchte, ist indessen ungeklärt. Wir gehen von Letzterem aus, denn das Geschäft am Züricher Rüdenplatz ist eine Augenweide in Gold.
Man könnte fast meinen, 2013 ist in unserem Magazin das Jahr der Schweizer Optiker. Letztes Mal besuchten wir das pittoreske Bern, für diese Ausgabe machten wir uns auf den Weg in das eher kosmopolitischere Zürich, eine Stadt, die den Spagat zwischen globaler Metropole und historischer Gemütlichkeit mit Bravur meistert. Direkt am Rüdenplatz in der Altstadt und somit vis-à-vis von St. Peter, der Kirche mit dem größten Turmziffernblatt Europas, befindet sich das Alpenglühn von Kai Müller und Markus Moser. Der Laden besticht durch sein offenes Ambiente und natürlich durch seine einmalige Ladengestaltung. Warum die Alpen seit fast 20 Jahren auch in Zürich glühen, erklärt uns ein leidenschaftlicher, und dennoch gradliniger Optiker mit Weitblick.

Hallo Kai, wie kann man in Zürich bei diesem Freizeitangebot, der Nähe zu den Bergen und diesem See direkt vor der Haustür überhaupt arbeiten?
Ich gehöre zu den Privilegierten, die das Arbeiten nicht als Arbeit empfinden, sondern als Leidenschaft. Mir macht die Arbeit im Alpenglühn Spaß und sie bereichert meinen Alltag. Die schöne Umgebung ist für mich pure Inspiration und ich bin dankbar, an einem solchen Ort zu arbeiten.

Wie bist Du in die Brillen-Branche hineingerutscht?
Da war dieses Streben, mit 16 Jahren endlich die Schule zu verlassen und mich im Alltag mit einer Arbeit in einem neuen Umfeld mit Erwachsenen zu betätigen. In ein Büro wollte ich nicht, ein Handwerk wäre schön aber welches? Da war gerade ein guter Freund unserer Familie zu Besuch, der Optiker war, und er hat mir diesen Beruf schmackhaft gemacht. Nach zwei Schnupperlehren war es für mich klar und ich suchte einen Ausbildungsplatz.

Wie kam es dann zu dem eigenen Optiker Fachgeschäft?
Mein Geschäftspartner und ich besuchten gemeinsam die Höhere Fachschule für Augenoptik in Olten (heutige Fachhochschule für Optometrie). Während dieser Zeit hatten wir sehr rege über das ideale Optikergeschäft diskutiert. Wir wollten unsere berufliche Zukunft irgendwie anders gestalten, als es damals angeboten wurde. So machten wir uns ca. sieben Monate nach unserem Abschluss auf die Suche nach einem geeigneten Standort und fanden nach einigen Enttäuschungen unser heutiges Ladenlokal im Herzen von Zürich.

Neben der attraktiven Lage, worin liegt der besondere Charme vom ‚Alpenglühn’?
Persönlich, herzlich, ungezwungen, schöne Brillen, fachlich kompetent. Kurzum mit unserem Slogan umschrieben, „Alpenglühn öffnet Aug und Herz“.

Betritt man Eure Geschäftsräume, versteht man sofort, warum Ihr Alpenglühn heißt. Was war zuerst da? Der Name oder die gold-brennenden Wände?
Den Namen hatten wir zuerst. Die Wand entstand danach über einen längeren Zeitraum, da die einzelnen Schichten jeweils trocknen mussten bevor wir eine weitere Schicht anbringen konnten. Am Schluss bestimmten wir die Farbe ‚Gold’.

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Ihr habt Euch nicht mit dem Geschäft begnügt, sondern seid dem Optikerdasein mit einer eigenen Vertriebsagentur fremdgegangen und tut dies auch heute noch. Wie kam es dazu?
Es war nie unsere Absicht, uns als Vertriebsagentur zu betätigen. Wir hatten ja genug zu tun mit dem Aufbau und der Kundenpflege im Geschäft. Leider haben uns die damaligen „Platzhirsche“ der Stadt den Zugriff auf beliebte und uns gewohnte Brillenlabels verwehrt und wir standen kurz vor der Eröffnung mit ein paar wenigen Labels da. So mussten wir uns anderweitig organisieren und knüpften auf der Suche nach spannenden Produkten viele interessante Kontakte.

Welche zum Beispiel?
Auf der Messe in New York entdeckte Markus einen kleinen zusammenfaltbaren Clip, den er ins Geschäft brachte. Zu dieser Zeit waren die Sonnenclips ein Renner und ich konnte mich total für dieses Teil begeistern. Da die Firma in der Schweiz nicht vertreten war, haben wir viele von den Clips geordert und in unserem Bekanntenkreis weiterverkauft. Wir fragten bei der Firma an, ob wir die CH-Importrechte haben durften und hatten somit unser erstes Handelsprodukt. Etwas später kam die erste Fassungskollektion dazu und dann die Blechbrillen, die von drei originellen Typen aus Berlin stammten. Diese Brillen machten es notwendig, unsere zweite Firma die „Alpenglühn Handels GmbH“ zu gründen, bei welcher heute fünf Mitarbeiter arbeiten.

Seid Ihr Zwei in beiden Bereichen tätig oder habt Ihr eine konsequente Rollenverteilung?
Klar tauschen wir uns regelmäßig aus. Wir führen jedoch die Bereiche ziemlich unabhängig voneinander. So hat jeder die Möglichkeit, sich mit seiner Arbeit mehr zu identifizieren.

Wenn man so viel und lange zusammenarbeitet wie Ihr, entwickelt man da nicht auch schon Ehepaar-ähnliche Verhaltensweisen … in guten wie in schlechten Zeiten?
Ja, das ist so. Jedenfalls was mich betrifft. Diese Vertrautheit ist es auch, die ein Verständnis fördert, welches es ermöglicht, dem Partner vollstes Vertrauen entgegenzubringen und bei einer größeren Meinungsverschiedenheit den wahren Fokus nicht zu verlieren und für einen guten Rat die Ohren offen zu halten.

Du kümmerst Dich also um den Laden in Zürich. Die Stadt ist – sagen wir es mal so – reich. Was sind die besonderen Herausforderungen an einen Optiker in solch einer Stadt?
Da kann ich nur für mich sprechen. Die Kunden sind sehr anspruchsvoll und wollen Authentizität, Ehrlichkeit und Leidenschaft spüren.

Erst neulich habe ich Dich auf der Messe in Paris getroffen. Was reizt Dich an solchen Events – eher das Meet & Greet oder die Inspiration für den Einkauf?
Sicher beides. Nach wie vor spüre ich eine Neugier, wenn ich eine Messe besuche. Aus Erfahrung weiß ich jedoch, dass Überraschungen sehr selten sind. Daher ist das „Meet and Greet“ heutzutage ebenso wichtig und ist ein Genussfaktor eines jeden Messebesuches.

Und hast Du neue Labels entdeckt, die Du in Dein Sortiment aufnimmst? Gibt es groundbreaking New-Labels, Must-Have-Items für die Saison 2014?
Mit Tipps bin ich zurückhaltend. Ich finde jeder sollte selber wissen, was er seinen Kunden zeigen will, aber die Brillen von Suzy Glam haben mir sehr gut gefallen. Rolf Holzbrillen konnten erneut mit technischen Finessen brillieren. Da ich nach kleinen, authentisch auftretenden Produkten Ausschau halte, war ich gezielt unterwegs und konnte viele Anbieter nicht ausreichend anschauen. Unsere „Must Haves“ sind Reiz, Hervé Domar, ic! berlin, Retrospecs, Bevel, Lunor, l.a. Eyeworks, Blac, Ursprung und Naturhornbrillen.

Warum gerade diese Labels?
All diese Marken weisen auf ihre Art eine eigene Handschrift auf und arbeiten absolut seriös und gewissenhaft, was sich in Puncto Qualität, Lieferbereitschaft, Beständigkeit und Preis/Leistungsverhältnis zeigt.

Hast Du Dich auch schon mal selbst im Brillendesign versucht?
In unregelmäßigen Abständen entwerfe ich eine Brille, welche mir dann Dieter Wollenweber oder Pascal Nüesch in Naturhorn umsetzen. Zurzeit arbeite ich gerade an einem Modell, das wir an der Blickfang Design Messe in Zürich zeigen werden. Es sind meistens Ideen, die ich schon lange mit mir herumtrage, aber alles im überschaubaren Rahmen, so dass mir jedes Modell auch nach Jahren noch vertraut ist.

Welcher Kunde kommt zu Euch? Ein Täter-Profil bitte?
Zu uns kommt derjenige, der ein gutes Produkt in einer persönlichen Umgebung sucht und schätzt. Häufig Menschen, die an ihrem Arbeitsplatz hohe Anforderungen bewältigen müssen.

Und was tut Ihr, damit dieser Kunden auch beim nächsten Brillenkauf wieder zum Rüdenplatz fährt?
Wir beraten zuvorkommend, kompetent und freundlich und übergeben den Kunden ein hervorragendes Produkt, welches ihnen eine lange Zeit täglich Freude bereitet. Hin und wieder laden wir sie zu einem Event ein.

Neben Events, wie kommuniziert Ihr mit Euren Kunden? … eher Old-School per Prospekt und Geburtstagskarte oder mit dem kompletten Social-Media-Brett?
Weder noch. Für das komplette Social-Media-Brett habe ich weder Zeit noch Lust, ebenfalls stehe ich mit Geburtstagskarten auf Kriegsfuß. Die intensivste Kommunikation findet in der Zeit der Beratung, der Abgabe und der Nachbetreuung statt. Kundeninfos senden wir per SMS oder Mail. Zu Anlässen werden die Kunden per Postkarte eingeladen. An der Blickfang Messe geben wir kleine Booklets ab.

Was ist der schönste Aspekt an Deiner Arbeit?
Der persönliche Umgang mit unterschiedlichen und interessanten Menschen sowie hochwertigen Produkten.

Worin muss ein unabhängiger Optiker gut sein, um sich auch in Zukunft gegen die großen Ketten behaupten zu können?
Er muss ein großes Interesse an seinem Umfeld haben, welches ihm erlaubt, schnell und flexibel auf Veränderungen im Markt zu reagieren. Für mich ist ganz klar der Allrounder gefragt, welcher etwas von Psychologie, Betriebswirtschaft, Handwerk, Einfühlungsvermögen, Verkauf, Design und fachlichem Know-How versteht.

Nehmen wir mal an, Kai Müller ist dem Hinduismus verfallen. Was macht dieser in seinem nächsten Leben?
Als strategisch denkender Mensch bin ich schon täglich damit beschäftigt, in der Gegenwart zu leben und nicht im Morgen oder Übermorgen. Daher interessiert es mich ganz und gar nicht, was im nächsten Leben kommt. Es reicht mir schon zu wissen, dass es kommt!

Das ist ja schon mal was. Man sieht sich.

ALPENGLÜHN am Rüdenplatz
Nägelihof 1
8001 Zürich
Schweiz
www.alpengluehn.ch

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