Bärtschi Optik

Platz da Mailand, Berlin, Paris und New York! Während sich die internationale Optikszene an euren Fachmessen und namhaften Brillenlabels orientiert, kommen Kunden auch anderswo in den Genuss einer Klasse und Auswahl, die weltweit ihresgleichen sucht. Und das noch dazu in Bern, eine Stadt, die vor allem für ihren historischen Kern bekannt ist. Dass die Schweiz nicht nur mit Uhren, sondern in jüngster Zeit auch mit führenden Marken und Optiktrends in Verbindung gebracht wird, ist auch der Verdienst von Bärtschi Optik, einem individuellen Vollservice-Optikdienstleister mit hoch qualifiziertem Team, exklusiver Markenauswahl sowie eigenem Label für Hornbrillen: Bärtschi 1945. Ihren Namen verdankt die Marke dem Gründungsjahr von Bärtschi Optik. Das war so: Direkt nach dem Zweiten Weltkrieg, eröffnet Paul Bärtschi 1945, nach Tätigkeit bei Leica Fotooptik in Wetzlar, das Geschäft – ursprünglich mit Schwerpunkt Fotoapparaten und Ferngläsern. Seitdem ist viel passiert: In den 80er Jahren wechselt der Fokus unter Führung von Sohn Martin Bärtschi und Geschäftsführer Daniel Strüby komplett auf Brillen, Sonnenbrillen und Kontaktlinsen. Im Jahr 2008 folgt der „Relaunch“ des Geschäfts mit mehr Ladenfläche und komplett neuer Innenarchitektur, die stilbewusster und schicker kaum sein könnte. Und 2009 kommt dann als Quereinsteiger Paul Bärtschis Enkel Frank – seines Zeichens gelernter Pädagoge – an Bord und setzt gemeinsam mit Strüby neue Impulse.

Hallo Frank, Du hast Dir mit dem Einstieg ins Familienunternehmen schon Zeit gelassen, oder?
Frank Bärtschi: Ja, ich habe eigentlich einen pädagogischen Hintergrund. Unter anderem war ich als Erzieher auf einem Jugendschiff dafür verantwortlich, aus Kleinkriminellen ordentliche Menschen zu machen. Da ist der Weg zurück nicht leicht! (lacht) In der Zwischenzeit hat mein Vater eng mit Daniel zusammengearbeitet, der hier 1978 seine Lehre gemacht hat und schließlich die Möglichkeit bekam, Miteigner des Betriebs zu sein und Vollgas zu geben. Es ist auch ihm zu verdanken, wie der Laden heute aussieht.
Daniel Strüby: Hey, vielen Dank.
Frank: Ich kam dann 2009 als Quereinsteiger hinzu, habe meinen Diplomingenieur absolviert und war von Anfang an derjenige, der den Laden bekannter machen sollte.

Aber Du scheinst richtig in der Sache aufzugehen.
Frank: Ja, weil der Schritt in den Laden meine persönliche Entscheidung war. Mein Vater musste damals, wegen meinem Großvater. Ich dachte immer: Wenn ich das will, dann mach ich das richtig – nicht, weil ich muss. Da steht man dann auch ganz anders dahinter.

Bei einem Familienbetrieb denkt man eher an hausbackene Glasvitrinen, vergammelte Fotokalender an der Wand und grauen Teppichboden, aber Euer Geschäft könnte auch der Flagship-Store von Prada sein. Wie kamt Ihr zu dem anspruchsvollen Ambiente mit Bar und Designer-Leuchtauslage?
Daniel: Wir hatten das lange geplant und 2008 einen Wettbewerb ausgeschrieben, an dem drei Architekten teilgenommen haben. Den Zuschlag bekam dann die Firma Architekten Schwaar & Partner AG in Bern. Wir haben jetzt 400 Quadratmeter Verkaufsfläche und beim Umbau brachten wir Produktion, Werkstatt und Büroräume eine Hausnummer weiter im ersten Stock unter. Für uns war wichtig: Der Laden soll nicht aussehen wie ein Optikladen. Einfach, schlicht gestylt und puristisch. Und es war entscheidend, dass man die Menschen sieht. Wir wollten Mitarbeitern wie Kunden genug Raum geben und nicht kleinlich sein. Jetzt ist es nur so, egal was man bei uns in den Laden stellt – es wirkt gleich überladen! (lacht)

Wie würdest Du den Spirit von Bärtschi Optik beschreiben?
Frank: Ganz klar – Individualität! Eine Lösung zu finden, die für jeden einzelnen Kunden passt. Jeder Kunde hat das Recht, als einzelner wahrgenommen zu werden. Manche tanzen gerne aus der Reihe, aber die meisten wollen etwas, das für sie persönlich gut aussieht.

Daniel: Und da es so viele Facetten der Persönlichkeit gibt, braucht man auch entsprechend viele Brillen. Die Brille ist wie ein Teil der Garderobe. Manche Leute haben drei oder vier verschiedene Brillen, von der Businessbrille zur Sportbrille oder unkompliziert für die Zeit mit dem Kind auf dem Spielplatz.

Es ist also auch okay, dass Leute mehr als eine Brille besitzen?
Frank: Unbedingt! Absolut! Die ganze Reichweite von Gläsern, die man für spezielle Tätigkeiten haben kann ist so enorm. Es ist immer die Frage, wie oft und wie gut ich es haben will. Manchmal haben die Leute ein bestimmtes Hobby und quälen sich mit einer Gleitsichtbrille. Aber die verzerrt die Sicht bei Aktivitäten wie z.B. Golf oder Nordic Walking. Und es ist gefährlich, weil man auf unebenem Terrain die Gegebenheiten nicht einschätzen kann. Da sag’ ich: Kauf dir doch einfach eine Sportbrille!

Daniel: Es ist so was Tolles, die richtige Brille für die richtige Situation zu haben und genau das zu wissen, macht unsere Arbeit spannend und löst Emotionen aus. Hier im Laden wollen wir einfach das Beste für den Kunden. Das muss nicht das Teuerste oder Exklusivste sein. Aber deinem besten Freund oder Vater würdest du auch keinen Schrott verkaufen. Wir wünschen uns, dass die Kunden das Leben genießen können.

Frank: Man muss sich in den Kunden reinversetzen. Was will der Kunde, was braucht er und was passt zu ihm? Leider wissen die Kunden oft nicht, was es alles gibt und die Filialisten haben mit ihren Preisen den Markt kaputt gemacht. Aber wir verkaufen durchaus auch mal eine Leisure Society Kunststoffbrille mit Diamant für 1.300,- Franken oder Brillen für weit mehr. Und der Kunde weiß, dass es das wert ist und hat nie das Gefühl, sich was andrehen zu lassen.

Ihr scheint mit Feuer und Flamme bei der Sache zu sein. Was inspiriert Euch im täglichen Leben – nicht unbedingt nur in Sachen Optik?
Frank: Mich inspirieren die Menschen generell. Da werde ich immer wieder überrascht, ob es mein kleiner Sohn ist oder ein verrückter Künstler mit einem abgefahrenen T-Shirt oder ein verrücktes Internet-Video.
Daniel: Wir wollen gleichzeitig auch die Kunden inspirieren. Bei uns sollen die Leute auch mal den Alltag verlassen können. Wir wollen eine Oase bieten, in der man verschnaufen kann. Eine entspannte Atmosphäre, in der man sich etwas Gutes tun kann. Einen Prosecco oder den besten Latte Macchiato von ganz Bern.

Wie viele verschiedene Paar Brillen habt Ihr im Angebot?
Daniel: Wir haben so um die 5000 Paar auf Lager, rund 80% Korrektur und 20% Sonnenbrillen. Insgesamt haben wir so um die 50 bis 60 Labels. Das war auch eine bewusste Entscheidung, nicht alles zu haben. Zum Beispiel ist Mykita eine coole Marke und IC Berlin auch. Aber wir machen lieber mit IC Berlin 400 Paar anstatt mit beiden je 200. Da zeigst du eine Kollektion in einem repräsentativen Umfang und hast ganz andere Beziehungen mit den Lieferfirmen. Du bietest den Kunden einen besseren Service und es läuft einfach runder.

Frank: Genau! Bei uns ist die Durchschnittsverweilzeit pro Brille rund 39 Tage im Laden. Wir drehen das Lager pro Jahr ein paar Mal komplett. Und alle drei Monate schaut Daniel, was läuft und was nicht läuft. Das muss so sein, sonst hat man am Ende des Jahres ein überfülltes Lager und wird die Sachen nicht los. Und wir sind nicht die Ausverkaufstypen…

Was sind Eure wichtigsten Marken im Angebot?
Frank: götti ist bei uns die absolute Marke. Orgreen, Reiz, IC Berlin und Barton Perreira sind super. Wir haben eher die Nischen als die Mainstreamprodukte. Mit Marken von Luxottica oder anderen „Großen“ hat man durchaus mal Probleme, wenn mal was schief läuft. Da steht man vor den Kunden dumm da und das tun wir uns nicht gerne an. Eine unserer wenigen Mainstream Marken ist Ray-Ban, weil das auch eine häufig gestellte Frage ist. Aber auch da haben wir ganz eigene Antworten.

Besucht Ihr zur Anregung Fachmessen für den Optikbereich? Wenn ja, welche?
Daniel: Mindestens Silmo, Mido und opti. Da können wir schön sehen, in welche Richtung gewisse Trends laufen und ob bestimmte Sachen wieder aufkommen. Wir erhoffen uns damit einen bestimmten Geschwindigkeitsvorsprung, eine Nasenlänge sozusagen. Wer beim 100-Meter-Lauf gewinnt, muss ja nicht doppelt so schnell sein – es reicht ja die Nasenlänge.

Frank: Unsere Marken sind allesamt handverlesen. Das Angebot entscheiden wir komplett selbst und sind damit auch ganz gut gefahren bis jetzt.

Wie wichtig sind Euch die Beziehungen zu den einzelnen Marken?
Frank: Langfristige Beziehungen sind extrem wichtig für uns. Bei den meisten Lieferanten beziehen wir seit Jahren unsere Fassungen und man kennt sich eben. Und wenn wir an einen Messestand kommen, kaufen wir bei bekannten Lieferanten in ein paar Minuten 150 Stück – und die verkaufen wir dann auch. Das müssen aber auch die Art von Geschäftspartnern sein, bei denen bei Fragen ein Telefonat reicht und dann klappt das.

Daniel: Genau das Gleiche bieten wir dann auch unseren Kunden, wenn sie uns anrufen, falls etwas nicht klappt. Ich meine, der Kunde hat schon die Mühe aufgebracht, uns anzurufen und das Problem zu präsentieren. Da geben wir im Kundendienst natürlich Vollgas.

Wie kam die Idee zur eigenen Hornbrillenkollektion Baertschi 1945? Wodurch zeichnet sich die Kollektion aus?
Frank: Ich habe ein Foto von meinem Großvater im Büro hängen, auf dem er vor rund 50 Jahren eine Hornbrille in der Hand hielt. Das war so um 2010 und seinerzeit kamen Hornbrillen wieder auf. Wir waren damals auf drei Messen und hatten dünnrandige, aber großzügig geschnittene Hornbrillen gesucht mit wenig Schnickschnack – und keiner hatte die! Da haben wir einfach gesagt, wir machen das selbst. Der Name kommt vom Gründungsjahr unseres Ladens.

Daniel: Es war von Anfang an ein toller Erfolg und wir haben uns auch genügend Gedanken darüber gemacht. Wir haben die Brillen in der Schweiz fertigen lassen und sie werden geliefert in einem Mechanik-Etui aus Nappa-Leder, das die Brille nach vorne schiebt, wenn man es aufklappt. Also nicht einfach etwas aufgedruckt, sondern vom Design, Farben, Etui, Material alles selbst mitentwickelt. Von der ersten Kollektion haben wir 80 Stück gemacht und die gingen zum Preis von 2360 Franken weg.

Habt Ihr das Label seitdem ausgebaut?
Frank: Ja, unsere letzte Kollektion trug den Namen „Bärtschi Black“, bestehend aus Modellen ganz in Schwarz, aber mit unterschiedlichen Mattierungen. Eine geile Kollektion und bis Februar war sie bis auf zwei Paar restlos ausverkauft. Die Leute haben sie uns fast aus den Händen gerissen, das hat uns schon sehr stolz gemacht.

Daniel: Der Hintergrund ist auch, dass wir immer wieder auf Messen von Herstellern gefragt werden: Wie findet ihr dies, wie findet ihr das? Wir geben dann auch immer Tipps und nächste Saison findet sich unser Feedback dann in der nächsten Kollektion der Marke wieder. Da haben wir gedacht, statt andere zu beraten, machen wir das lieber selbst. Immerhin haben wir klar den Vorteil…

Inwiefern ein Vorteil gegenüber den Marken?
Daniel: Oft fehlt den Herstellern einfach der Kundenkontakt und das direkte Probierfeld. Sie erhalten ihre Resonanz nur aus den Verkaufszahlen. Und sie sehen nicht, wie die Brillen auf verschiedenen Gesichtern aussehen, weil sie nicht wie wir jeden Tag an der Front stehen.

Neben dem direkten Kundenkontakt sind heute auch die Sozialen Medien wichtig. Zieht Ihr da mit?
Frank: Wir haben zwar eine Internetseite, die wir auch pflegen, aber für Social Media haben wir einfach nicht genug Leute. Das ist sonst wie ein Schaufenster, das brach liegt. Unser Marketing geht von aufwändigen Schaufenstern über Inserate, aber eher regional gestreut.

Daniel: Uns ist auch weniger wichtig, dass unser ganzer Medienauftritt auf Hochglanz ist. Die ganze Industrie ist doch schon Hochglanz. Wir haben es gern ein bisschen selbstgestrickter, damit man uns das auch abnimmt, wenn man dann im Laden steht. Die Wahrhaftigkeit ist uns wichtig im Auftritt.

Wahrhaftigkeit ist ja auch, wenn der Kunde im Laden beraten wird. Euer Mitarbeiterteam ist ja recht umfangreich…
Frank: Die Mitarbeiter sind unser wertvollstes Kapital. Momentan haben wir 25 Angestellte, wenn man es auf 100%-Stellen rechnet und mit Teilzeit sind wir bei 36 Leuten – alle im gleichen Laden. Deshalb machen wir auch keine andere Filiale anderswo auf, etwa einen Sonnenbrillenladen oder ein Geschäft in Zürich, denn einen Kompetenzpool wie den unseren, gibt es weit und breit nicht. Wir bieten einen kompletten Service, ermöglicht durch das volle Know-How unserer besten Mitarbeiter.

Mit Eurem Slogan „Einfach persönlich. Einfach anders. Einfach Bärtschi“ ermutigt Ihr Kunden zur Individualität. Helft Ihr auch mal nach bei der Brillenwahl?
Frank: Die meisten Leute, die in den Laden kommen, wollen ja etwas. Vor ein paar Jahren haben wir den Kunden noch gefragt, was er will. Heute kennen wir ja unser Sortiment komplett auswendig. Also kommt der Kunde rein und ich habe schon ein Bild vor Augen und sage: „Ich will dir mal etwas zeigen.“ Das ist vielleicht nicht, was der Kunde vor Augen hatte, aber wenn mein Vorschlag nicht ganz verkehrt war, erkennt er zumindest die Kompetenz seines Gegenübers und lässt sich gerne beraten.

Daniel: Ja, wenn man unsicher ist und sagt, „Soll ich euch mal eine Auswahl bringen?“, dann wird das nichts. Aber wenn ich ein klares Konzept biete, freut sich der Kunde. Die meisten Leute haben im Alltag so viele Probleme und Entscheidungen zu treffen, da ist es doch schön, wenn jemand mit einem klaren Konzept einen Vorschlag macht.

Das sind klare Worte. Zum Abschluss interessiert uns noch: Wie denkt Ihr wird sich die Optikbranche in den nächsten fünf Jahren entwickeln?
Daniel: Ich denke, es wird eine Spezialisierung stattfinden und es wird schwierig werden für den mittelständischen Optiker, der einfach in den Tag hinein sein Ding macht. Die Filialisten werden immer größer und das Internet gibt weiter Gas, aber die Mitte wird es schwer haben.

Frank: Das ist wie der Vergleich zwischen dem Ackergaul und dem Zuchthengst. Wenn man ein vernünftiges Pferd für die Landwirtschaft möchte, entscheidet man sich vermutlich für den Ackergaul, denn der zieht schön den Pflug übers Feld und ist relativ anspruchslos. Irgendwann wird er sterben oder durch eine neuere Technik ersetzt werden. Aber der Zuchthengst wird immer begeistern und es wird immer Leute geben, die gern Geld für so einen ausgeben. Wenn man es ernst meint in der Branche, muss man seine eigene Leistung bieten. Der Spitzenplatz ist kein Rastplatz und die Konkurrenz schläft nicht. Da muss man sich positionieren und ständig an sich arbeiten.

Vielen Dank fürs Interview.

Bärtschi Optik AG
Zeitglockenlaube 6
3000 Bern
Schweiz
Telefon 031 329 60 60
www.baertschi.ch

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