FreudenHaus

In München steht ein Freudenhaus… oder war es ein Hofbräuhaus? Egal – beides ist in der Hauptstadt der Bajuwaren Extraklasse. Zumindest gilt dies für die Freudenhäuser, die eine Befriedigung der optischen Sinne versprechen. Sind die Hofbräuhäuser ein großer Publikumsmagnet, so ist das FreudenHaus in der Münchner Innenstadt ebenfalls eine Klasse für sich und nicht nur international bekannt, sondern auch beim einheimischen Star-Ensemble oft die erste Wahl, wenn es um Brillen geht. Was Uwe Pinhammer und Geschäftspartner Stefan Flatscher in 20 Jahren auf die Beine gestellt haben, darf sich durchaus sehen lassen. Nicht jeder hätte den Enfants Terribles des bayrischen Brillengenres solch eine Entwicklung zugetraut.

Hallo Uwe, was geht in der Münchner Schickeria?
Hier geht’s gerade voll ab. Überall Weihnachtsmarkt… ich kann Glühwein und Hirschgeweihe nicht mehr sehen! Aber: Bayern München hat gerade einen guten Lauf – die Jahreskarte war ein gutes Invest. Bei unserem Nachbarn im ‚Schumanns’ trifft man Schweinsteiger, Gomez & Co. Wenn du die wichtigen Celebrities der Stadt treffen möchtest, musst du ins ‚Hugo’ gehen. Steak wird im ‚Goldenen Kalb’ gegessen und den Gute-Nacht-Drink macht Charles Schumanns. Egal wo, besser du erwähnst nicht, mich zu kennen.

Seit wann gibt es das „FreudenHaus“?
1991 haben Stefan Flatscher und ich das FreudenHaus gegründet. Auch nach über 20 Jahren ist es immer noch eine absolut klasse Partnerschaft. 1992 haben wir dann das erste Geschäft in der Dietlindenstraße eröffnet. Die alte Jugendstilvilla war prädestiniert für unseren Traum – keine Kohle in der Tasche, aber La Paloma pfeifen! In 14 Zimmern präsentierten wir jeweils eine Kollektion. Das war großes Kino. Im gleichen Jahr haben wir auch bereits die ersten 4 FreudenHaus Brillen gelauncht und dann ging es Schlag auf Schlag weiter. 2001 haben wir unseren Flagship Store am Odeonsplatz eröffnet, 2006 haben wir FreudenHaus USA in Palm Beach gegründet, 2010 haben wir ein weiteres Geschäft in der Theatiner Straße eröffnet und 2011 haben wir den Vertrieb von Converse Eyewear übernommen. Langweilig war es nie.

Das hört und sieht man. Was waren Eure Beweggründe für das FreudenHaus?
Wir waren damals drei Jungs. Flatscher, Funk & Pinhammer. Wir haben zusammen beim angesagtesten Optiker des Freistaates gearbeitet. Irgendwie waren wir in München sowas wie die „Enfants Terribles“ der Optikbranche. Wir haben von 9 bis 19 Uhr Brillen verkauft, danach ging’s ins Einser, Party machen. Jeden Tag, jede Nacht. Irgendwann haben wir die Partys dann selber veranstaltet – und die waren so richtig groß. Man kannte uns in München, aber wir waren angestellt und konnten unseren Wahnsinn nicht so richtig ausleben. Wir hatten damals viel Spaß und Freude und erkannten, dass wir unsere Energie doch auch für eine eigene Unternehmung einsetzen können. Und wir haben auch gleich ein wenig größenwahnsinnig gedacht.
Ohne Geld eröffneten wir direkt einen 500 qm Store in einer denkbar ungünstigen Lage. Wir haben malocht bis zum Umfallen.

Euer Name klingt ja ein wenig… anrüchig? Zufall oder eine bewusste Anspielung auf eine andere Branche?
Nun, wie ich bereits erwähnt habe, stand Spaß und Freude am Leben und Arbeiten für uns immer im Vordergrund. Und dann hatten wir die Villa, dieses riesen Haus. Aus ‚Freude’ und unserem ‚Haus der Brillen’ wurde ‚FreudenHaus’. Natürlich war eine Anspielung auf das andere Gewerbe durchaus gewollt, sollte jedoch niemals in den Vordergrund rücken.

In München betreibt Ihr gleich zwei FreudenHäuser, die jedoch fußläufig zueinander erreichbar sind? Ist das nicht Selbstkannibalisierung?
Nein, ganz im Gegenteil, das ist total wichtig. Der kleine Store in der Theatinerstraße ist der, an dem die Touristen vorbeigehen. Sie kommen nicht bis zu unserem Hauptgeschäft, deshalb ist es wichtig, dass wir zwei Stores in der Innenstadt betreiben. Jedes Jahr im Sommer öffnen wir noch einen Sunglasses Shop-in-Shop bei Ludwig Beck am Marienplatz – übrigens sehr erfolgreich. Dort laufen an einem gut besuchten Samstag 10 bis 15.000 Kunden durch.

Unterscheiden sich die Labels in den Stores?
In der Theatinerstraße und bei Ludwig Beck gehen mehr Touristen ein und aus als im Hauptgeschäft am Odeonsplatz. Deshalb verkaufen wir dort labelorientiert und opportunistisch. „An Schönheit sterben“ haben wir lange genug betrieben, jetzt verkaufen wir dort all das, was gerade angesagt ist und wonach die Kunden fragen. Im Hauptgeschäft verhält es sich folgendermaßen: 70% Eigenanteil der im FreudenHaus vertriebenen Produkte, 20% Special Products wie z. B. Retro Specs, Cutler & Gros, Goldsmith, usw. und der Rest sind bekannte Labels à la Tom Ford oder Chrome Hearts. Ray-Ban & Co. verkaufen wir hier nicht.

Dürfen wir demnächst noch ein weiteres FreudenHaus-Fähnchen auf der München Stadtkarte entdecken?
Nachdem das Schwabinger Geschäft bereits nach vier Jahren der Abrissbirne zum Opfer gefallen ist, sind wir auf der Suche nach einer Alternative in unserem Heimatstadtteil Schwabing. Es laufen auch bereits Verhandlungen, noch ist aber nichts unter Dach und Fach. Das Gärtnerplatzviertel steht auch noch auf unserer Liste. Wir öffnen aber nur eine weitere Tür, wenn alles passt. Leute, Lage und Liegenschaft – langweilige Neubauten interessieren uns nicht.

Eure Stores vermitteln ja eher den Eindruck einer avantgardistischen Mode-Boutique, als den eines Optik Fachgeschäftes. Wie seht Ihr Euch selbst?
So ist es. Ein Geschäft zu betreiben, hat bei uns keinen Selbstzweck. Die Idee zu jedem Store muss passen. Deshalb sehen unsere Stores bisweilen auch alle total unterschiedlich aus. Marie, unsere Architektin, ist ein super-kreativer Mensch – „von der Stange“ gibt es bei ihr nicht. Wenn sie Stift und Papier in die Hand nimmt, kommt immer was ganz Ausgefallenes heraus.

Eurer Innenarchitektur zur Folge kann man vermuten, dass Ihr auch ein sehr modisches Publikum zu Eurer Kundschaft zählt?
Klar, wir polarisieren schon an der Eingangstür – musst du aber auch, sonst bringt dich in teuren Lagen wie unserer, der Ich-will-sowieso-nur-schauen-Kunde um. Wir konzentrieren uns auf Kunden, denen es nicht egal ist, was sie im Gesicht tragen. Das sind modische Menschen, aber auch Originale, die die Mode vorgeben, wie z. B. die Chefredakteurin der Vogue, Christiane Arp. Wir schauen schon sehr genau darauf, was sie im Gesicht trägt.

In München trifft man viele illustre Gestalten und reichlich Prominenz. Welche schillernden Persönlichkeiten gehören zu Eurem Kundenstamm?
Einige: Ich treffe mich gleich mit Götz Otto und Axel Milberg auf einen Kaffee. Für Sonntag haben sich Katja Flint und Eckart Witzgmann angemeldet. Unsere Promis sind weniger schillernd, eher erfolgreich in dem, was sie tun. Gerade war Thomas Gottschalk da und hat die FH Jake gekauft und unten sitzt im Moment Freddie Geier, ehemaliger Deutschland Chef von Apple. Zu unseren Kunden zählen also nicht nur Schauspieler, sondern auch viele Persönlichkeiten aus der Wirtschaft.

Welche Styles werden dieses Jahr Akzente setzen?
Es bleibt für 2013 noch die massive Kunststoff Nerd Brille und die Nerd Metallbrillen aus den 80er und 90er Jahren.

FreudenHaus ist ja nicht nur Shop, FreudenHaus ist auch Marke. Wie kam es dazu?
Nun, der Weg war irgendwie vorgegeben. Wir wussten, welche Brillen wir verkaufen wollen, also sagten wir Lieferanten, was wir uns von diesen wünschten, worauf diese meinten, „Wenn ihr das braucht, warum macht ihr es nicht selbst?“. Also taten wir dies und entwarfen eine kleine Kollektion. So nahm alles seinen Lauf. Nach wie vor ist der Store die Basis beim Brillendesign. Wir fragen, welche Brillen brauchen unsere Kunden? Und dabei sind wir sehr kritisch, wir schauen unsere Kunden genau an. Wir sehen die Brille als Teil des Menschen – und dementsprechend kreieren wir die Brille. Sie muss einfach zum Träger passen und sollte diesen nicht „überrumpeln“. Es geht also um die richtige Mischung aus Design, Zeitgeist, Kundenprofil und Ehrlichkeit.

Machst Du Store und Label in Personalunion oder gibt es für das Label eine spezielle Taskforce?
Als ich und Stefan Flatscher das FreudenHaus gründeten, haben wir zunächst alles gemeinsam gemacht. Aber schnell hat sich herausgestellt, dass wir die einzelnen Jobs besser aufteilen und uns gegenseitig beraten – der eine war der Devil’s Advocate des anderen. Diese Gewaltenteilung hat sich über die Jahre auch bewährt. Stefan macht das Design für unsere Brillen und ich und einige andere, geben unseren Senf dazu.

Wo kann man die Brillen überall kaufen?
Bei uns, also in den FreudenHaus Stores und weltweit bei ganz feinen Optikern, also bei denen, die auch euer Magazin lesen.

Oh, danke. Wie siehst Du die Entwicklung der Brille als Mode-Accessoire? Welche Bedeutung haben Lifestyle-Faktoren bei der Entscheidung Deiner Kunden für ein bestimmtes Modell?
Es wird immer Kunden geben, die die Brille wirklich wie ein Accessoire behandeln – da spielen Lifestyle-Komponenten eine große Rolle. Für die breite Masse an Highend-Brillenkäufern ist die Brille jedoch mehr als ein Mode-Accessoire, sie ist Teil der eigenen Persönlichkeit.

Was ist für den Kunden am wichtigsten? Marke, Funktion oder Style?
Im unserem Geschäft am Odeonsplatz ist es der Style. Die Marke unterstützt zwar bei der Kaufentscheidung, aber hier wird nicht nach Modelabels gefragt. Bei der Sonnenbrille ist das anders, da brauchst du ein paar angesagte Marken.

München ist zwar fußballerisch bedeutungslos, gehört aber dennoch zu den vermögenden Städten der Republik. Ist das für Optiker, die teure Brillen verkaufen, ein Vorteil?
Du, als Zweitligajournalist, weißt um die Bedeutung der Kaufkraft.

1:1. Unser FC wäre mit diesem Ergebnis mehr als zufrieden.
Es ist aber gar nicht so einfach, an die Kaufkraft heranzukommen. Da musst du schon was draufhaben. Das funktioniert nur, wenn Du von dem, was du machst, auch etwas verstehst. Und du darfst die Kunden nicht übervorteilen. Das sind mitunter Menschen, die unglaublich gut informiert und intelligent sind. Die schauen sehr wohl, wofür sie ihr hart verdientes Geld ausgeben. Du musst abends in den Spiegel schauen und sagen können, „Alles, was ich heute gemacht habe, war ehrlich und gut für den Kunden“. Aber um deine Frage zu beantworten: Ja, es ist ein Vorteil, in einer wohlhabenden Stadt, teure und ausgefallene Brille verkaufen zu können – und es macht Spaß.

Hier in München findet ja auch jedes Jahr die opti statt? Da kommen doch bestimmt auch viele andere Optiker in Eure Geschäfte, um mal ein wenig Stallgeruch zu schnuppern, oder?
Es ist immer total lustig während der opti. Da kommen die anderen Optiker in geheimer Mission, sozusagen ‚undercover’. Wahnsinn, was die so alles fragen. Die glauben, wir checken nicht, dass sie Kollegen sind. Cool sind diejenigen, die reinkommen, sich vorstellen und fragen, ob sie eine Runde durch das Geschäft schlendern dürfen. Die bekommen dann sogar eine Führung mit Kaffee und Wasser oder einem Glas Champagner. Wir freuen uns über das Interesse unserer Kollegen und sind sogar ein bisschen stolz darauf, dass sie uns besuchen.

Wie siehst Du den optischen Markt in der Zukunft? Eher Schlaraffen- oder doch eher Griechenland?
Die Optikbranche ist und bleibt ein Schlaraffenland mit griechischen Mentalitäten.
Die Zahl der Brillenträger wird stetig steigen. Die Anforderungen an das Sinnesorgan Auge werden immer anspruchsvoller und somit die Brille immer wichtiger. Aber eines steht auch fest: Der Optiker, der es allen recht machen möchte, wird Marktanteile verlieren. Die Labels werden via Internet verkauft, die richtige Brille mit Gläsern bleibt jedoch bei den beratenden, guten Optikern zu Hause. Die goldenen Zeiten, in denen der Optiker den Laden nur aufsperren musste und die Drehbewegung des Schlüssels die Welt in Schwung hielt, sind vorbei. Letztendlich verkaufen wir ein Produkt, welches die Kunden mitten im Gesicht tragen. Das sollte genug Motivation für den Optiker sein, einen guten Job zu machen. Immer mehr Kollegen sehen das auch so und deshalb glauben wir fest daran, dass der Qualitäts-Optiker auch in der Zukunft gute Chancen auf ein erfolgreiches Geschäft hat. Nur alles immer billig macht doch keinen Spaß. Die feine Uhr hat es auch geschafft wieder hip zu werden – und die Brille ist auf einem ähnlichen Weg. Lasst uns diese Entwicklung weiter vorantreiben!

Bei so viel Unternehmertum kommt die Frage auf, ob Ihr nicht auch auf ein Engagement außerhalb der Brillenbranche schielt?

Ja, wir würden gerne unseren eigenen FreudenHaus Wodka vermarkten. Dafür brauchen wir aber noch jemanden, der diesen abfüllt – also den Wodka, nicht uns!

Auch wenn es hart auf hart kommt, was wird das FreudenHaus niemals tun?
Keinen Wodka trinken & dir eine Scheißbrille verkaufen.

Danke für das Interview!

freudenhaus-1

freudenhaus-2

freudenhaus-4

Recommended Posts