Markus Neuhof: Zwischen Tradition und Moderne

Mit Markus Neuhof portraitieren wir ein weiteres Schwergewicht in unserem Industry Insight. Für die Marken Dita, Thom Browne und GLCO ist er von der Steiermark bis zum Nordkap in Sachen Eyewear Couture unterwegs. Seinen Labels entsprechend sind die Optiker, die er besucht, recht erlesen. Man müsste meinen, das viele Reisen strengt den im Privaten eher ländlich lebenden Vertreter an, aber das Gegenteil ist der Fall: Neuhof braucht das Private Leben auf dem Land, er braucht aber auch das Reisen und die kosmopolitischen Einflüsse, um selber in der Balance zu sein.
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Hallo Markus, wie viele Kilometer mutest Du Deinem Auto jedes Jahr zu?
In diesem Jahr werden es wohl etwa 75 TKM werden.

Wow! Und was kommt noch an Flug- und Bahnmeilen dazu?
Bei 5 Kollektionskoffern plus privatem Gepäck macht das wenig Sinn. Bis Südschweden nutze ich deshalb das Auto. Weiter in den Norden reise ich notgedrungen per Flugzeug.

Du bist in Deutschland, Österreich und ganz Skandinavien unterwegs. Wie viel Zeit bleibt da überhaupt noch für Zuhause?
Rund um die internationalen Messen natürlich sehr wenig. Allerdings versuche ich, eine ausgewogene Balance zwischen beruflichem Reisen und privatem Verweilen hinzubekommen.

Wo findet das private Verweilen statt?
Ich wohne auf dem Land – in Heinsberg, dem westlichsten Kreis Deutschlands, direkt an der holländischen Grenze.

Nicht gerade der Nabel der Welt. Solltest Du nicht in Köln oder eher noch in Berlin wohnen?
Diese Frage wird mir tatsächlich häufig gestellt. Obwohl ich es liebe und brauche, mich in diesen Metropolen aufzuhalten, liegen meine Wurzeln auf dem Land. Dort ist meine Heimat, meine Familie und dort liegt mein Ruhepol, um das Reisen zu verarbeiten. Andererseits könnte ich nicht mehr ohne regelmäßigen Großstadt-Input leben. Auch wenn meine Nachbarn mich deshalb wohl eher als Alien ansehen.

Strengt es Dich nicht wahnsinnig an, zwischen Heinsberg und der großen weiten Welt hin- und hergerissen zu sein?
Nein, anstrengend würde ich das nicht nennen. Obwohl mich eine gewisse Unruhe überkommt, wenn ich mich zu lange an einem Ort befinde.

Was kannst Du privat Deinen Reisetätigkeiten abgewinnen?
Dazu fällt mir ein Zitat ein: „Die Welt ist ein Buch. Wer nie reist, sieht nur die erste Seite davon.“ Oft sind es die kleinen Dinge am Wegesrand, die sich noch lange Zeit ins Gehirn einbrennen. Für die Menschen, Eindrücke und Momente, die ich durch das Reisen kennenlernen und erleben durfte, bin ich extrem dankbar.

Das hört sich alles sehr positiv an. Irgendetwas muss Dich am Reisen doch auch nerven …
Meine Touren sind aufgrund des großen Gebiets zeitlich recht straff organisiert. Zwischen den Terminen versuche ich entgangene Anrufe und eingegangene Mails zu beantworten, so dass es kaum einen Moment des Durchatmens gibt.

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Welches sind Deine Top Lieblingsstädte?
Berlin, New York, Los Angeles, Wien, Kopenhagen.

Mit Dita, Thom Browne und GLCO trägst Du ein schönes Portfolio in Deinem Koffer mit Dir herum. Wie kommst Du an diese Marken?
In den 13 Jahren, die ich nun als Vertreter arbeite, hatte ich das Glück und Privileg, großartige Menschen kennengelernt zu haben, die an mich geglaubt haben. So musste ich bisher keine einzige Bewerbung schreiben, alles ergab sich durch freundschaftliche Kontakte.

Und was ist das Besondere an Deinen Labels? Mit welchen Stichworten lassen sie sich beschreiben?

Dita: Traditionelle Handwerkskunst, grandiose Verarbeitung, Exklusivität

Thom Browne: Kompromisslos, non-konform, High Fashion

GLCO Jung, am Puls der Zeit, Tradition trifft Urbanität

Wie viele Kunden betreust Du?
Aktuell 113.

Tendenz?
Deutlich steigend, wobei mein Fokus eher auf der Qualität als auf der Quantität unserer Partner liegt. Ich versuche bei der Auswahl unserer neuen Kunden zu gewährleisten, dass meine Kollektionen in den Geschäften langfristig funktionieren – nur dann kann die Partnerschaft wachsen und auf Dauer für beide Seiten erfolgreich sein.

Was ist Dir wichtig, wenn ein Optiker mit einem Deiner Labels beliefert wird?
Mir ist während meines Besuchs enorm wichtig, Begeisterung und Leidenschaft bei den Interessenten zu spüren. Ohne dies wird sich keine Kollektion auf lange Sicht in einem Geschäft erfolgreich etablieren. Die Optiker sollen fasziniert und heiß darauf sein, meine Brillen ihren Kunden zu präsentieren.

Dein Vertriebsgebiet reicht von Wien bis zum Nordkap? Gibt es da nicht gewaltige Unterschiede was den Einkauf von Brillen-Styles angeht?
Die Unterschiede sind innerhalb meines Gebietes relativ gering. Deutschland und Österreich sind in ihren Einkäufen recht homogen, für die Skandinavier darf es gern etwas größer, bunter und plakativer sein.

Wie bekommen Deine Kunden ihre Bestellungen? Kümmerst Du Dich auch um die Logistik der Ware? Und was ist mit Marketing & PR?
Ich bin heilfroh, mich darum nicht kümmern zu müssen. Das wird alles von den Firmen erledigt, für die ich arbeite.

Welche Styles werden in 2015 Akzente setzen?
Ich denke, der Heritage-Trend wird sich verstärken. Die Menschen möchten mehr
über den Background und die DNA der Firmen und Produkte, die sie kaufen,
erfahren.

Und was wird an Bedeutung verlieren?
Plakative „Labels“.

Drei Dinge, ohne die Du Dich nicht ins Auto setzt?
iPhone, iPad, MacBook.

Was wünscht Du Dir für Deine Zukunft?
Gesund zu bleiben, das Wichtigste überhaupt.

Markus, danke Dir.

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