Christian Metzler Portfolio

Interview: Alexander Dosiehn

Christian Metzler ist international anerkannter Vintage Brillensammler und talentierter Fotograf in einer Person. Dass er am liebsten interessante Leute mit mindestens ebenso interessanten Brillen fotografiert, darf man mehr der Tautologie als dem Zufall zuschreiben. Vintage Editor Alexander Dosiehn traf sich auf einen schnellen Schlagabtausch mit seinem Sammlerkollegen.

Hallo Christian, es ist immer wieder eine Freude, sich mit Dir als Sammlerkollege zu unserem Lieblingsthema auszutauschen. Hier und jetzt
geht es um Deine Arbeit als Fotograf. Beruf oder Berufung?

Hallo und vielen Dank, dass Ihr nicht nur meine Brillen-Leidenschaft, sondern auch meine Arbeit wertschätzt. Mein Beruf als Fotograf ist ein Traum für mich. Es gibt keinen Tag, seit ich in der Ausbildung war, an dem ich diesen Schritt bereut habe. Ich stehe jeden Tag gerne auf und gehe zur ‚Arbeit’. Somit ist mein Leben mein Beruf und mein Beruf ist mein Leben. Und das macht ihn wahrscheinlich zu einer Berufung.

Man spürt das, wenn man Deine Bilder betrachtet. In Deinen hier gezeigten Arbeiten tragen die Portraitierten gern seltene Vintage-Stücke. Stattest Du sie für Deine Bilder damit aus oder sind es jeweils deren eigene Brillen?

Das ist sehr unterschiedlich. Viele der hier gezeigten Leute sind tatsächlich nicht von mir ausgestattet, da sie selbst leidenschaftliche Brillensammler sind, die ich bei unterschiedlichen Treffen portraitiert habe. Bei einer Aufnahme weiß ich aber, dass ich den jungen Mann überhaupt erst zum Brillensammeln inspiriert habe. Somit könnte man sagen, ich habe ihn irgendwie ausgestattet.
Bei einigen Auftragsshoots habe ich tatsächlich die Models oder Musiker ausgestattet. Meistens habe ich bei jedem Shooting eine gewisse Anzahl an Rahmen zur Auswahl dabei. Geht es um einen Rapper, ist die Selektion natürlich eine andere als bei einer Mode-Story. Meist schauen wir uns gemeinsam die Rahmen an und entscheiden uns dann für die richtige Brille. Da kommen schon mal Aussagen wie „Ich will ein Foto mit der Notorious BIG Brille“ oder „Bringst du ein paar CAZAL mit?“. Ich hoffe jedoch, dass meine Kunden nicht nur wegen der Brillen zu mir kommen, sondern auch, weil sie meine fotografische Arbeit zu schätzen wissen. Dennoch: Ein Bonus ist meine Brillensammlung bestimmt.

Erzähl uns doch bitte von Deinem beruflichen Alltag. Wie sieht Deine Arbeit außerhalb vom Thema ‚Brille’ aus? Was für ein Fotograf bist Du?

Ich bin ein People Fotograf, was bedeutet, dass meine fotografische Arbeit immer mit Menschen zu tun hat. Zu meinen Kunden zählen Werbeagenturen, Musiker, Musiklabels, Unternehmen, Schmuckmanufakturen, aber auch Privatleute. Ich mache also Werbefotografie, erarbeite CD-Artworks und fotografiere auch Hochzeiten. Ich liebe es, mit Menschen zu arbeiten, Regie zu führen, Licht zu setzen und im Anschluss im Studio am Rechner zu sitzen und an den Arbeiten zu feilen. Für mich als Fotograf ist es wichtig, dass sich mein Gegenüber wohl fühlt. Ich bezeichne mich in erster Linie als einen netten Fotografen mit einem Hang zum aktuellen Zeitgeist und gutem Geschmack.

Geschmack beweist Du ja nicht nur bei Deinen Brillen. Dein ganzer Style, die Tattoos, Deine Klamotten, der Schmuck, Dein Auto usw. machen Dich eher zu einem ‚Vintage-Gesamtkunstwerk’. Wie würdest Du Deinen Stil definieren und was hat Dich dahingehend geprägt? Und inwiefern findet sich das in Deinen Bildern wider?

Danke für die Blumen! ‚Vintage-Gesamtkunstwerk’ finde ich gut. Angefangen hat das Ganze tatsächlich mit Vintage-Brillen. Irgendwann fiel mir auf, dass es aus diesen Zeiten von den gleichen Herstellern auch andere schöne Produkte gab, die ich toll fand. Also kamen Taschen, Schmuck, Uhren und Kleidung dazu, Ich mag Luxus aus vergangenen Zeiten. Er ist erschwinglich, stilvoll und wertbeständig. Der Benz, den ich fahre – ein 1992er 300CE 24V – war ein Vorschlag meiner Freundin. Sie war ganz und gar gegen einen Fiat Multipla. Und sie hatte recht – natürlich. Ab und an bringe ich ein paar dieser Gegenstände zu Jobs mit, sei es Versace Seidenhemden, Chanel Schmuck oder MCM Koffer. Die werden – wenn es dann passt – mit in Szene gesetzt. Es ist aber eher die Ausnahme.

Wir beide hegen eine große Sympathie für die Marke Cazal. Ein gemeinsamer Sammlerkollege macht z. B. die Fotos für die aktuellen Cazal-Werbekampagnen. Wäre das nicht auch etwas, woran Du Spaß hättest – auch für andere Marken?

Selbstverständlich! Ich würde es lieben – und das nicht nur für Cazal. Ich liebe das Thema Brillen und es gibt so viele coole große wie auch kleine Manufakturen, für die ich super gerne arbeiten würde. Was unser Freund Armen für Cazal macht, ist traumhaft, einfach super und ich bin auch immer ein wenig neidisch. Aber mit Armen macht den Job wenigstens ein Fotograf, der gut ist, Ideen und Geschmack hat und dazu noch ein gutes Herz. Ich habe ihn letztes Jahr in NYC getroffen und er ist auch Teil der gezeigten Arbeiten hier, ein super Dude!

cazal-phanatic
Cazal Phanatic I
Dameion „Rhythmchild“ Williams

Ursprünglich eine Cazal 906, Dameion hat daraus aber mit den Bügeln einer 627 und handgemachten Innenringen eine 642/3 gefertigt, die er aus Originalteilen von Vintage Cazals erfunden und gebaut hat.

„Ich habe dieses Foto in der Zeit gemacht, in der ich wegen des Cazal LookBook Shootings nach New York geflogen bin. Dameion ist eines der Models, für das damalige Lookbook und ein großartiger Sammler von Cazal Brillen, dazu noch Erfinder einiger cooler Modelle, von denen eines sogar offiziell von Cazal übernommen wurde. Es war so schön, die Jungs in Brooklyn auf der Straße mit ihrer Sammlung ablichten zu können.“

phanatic-II

Armen Djerrahian und Dameion Williams
Cazal 616 Col 131

„Es ist nicht einfach, einen großartigen Fotografen zu fotografieren, aber wenn es in Verbindung mit einer weiteren Leidenschaft und dann noch in Brooklyn passiert, ist es ein Segen. Ich bin so froh, dass mir diese Ehre zuteil wurde.“

trve-hill

Trve Hill aka DJ TowB
Vintage Marcolin mit Clip On

„Trve Hill hatte mich nach neuen Pressefotos gefragt und so sind wir in Stuttgart auf ein Dach gestiegen. Ich mag die düstere Stimmung und die Architektur im Hintergrund sehr.“

berlin-leaves

Davy Jones
Jean Paul Gaultier 56-8171

„Davy war erst ein „Instagram Freund“, dann wurden wir Freunde im echten Leben. Neulich habe ich mich spontan mit ihm in Berlin getroffen. Davy arbeitet als Model und ich dachte mir, ein spontanes Shooting sei eine gute Idee, wenn man schon mal in derselben Stadt unterwegs ist. Ich hatte Gott sei Dank ein paar Brillen im Kofferraum und die 56-8171 stand ihm super. So ist dieses düstere Portrait entstanden. Schnell aber gut.“

darth-gaga

Darth GAGA
Gianni Versace Update 676

„Eigentlich ist es eine freie Arbeit und eher ein Witz. Ich hatte die Darth Vader Maske daheim und dachte mir, dass die UPDATE genau die Brille wäre, die Lord Vader in seiner Freizeit getragen hätte. Dazu kommt, dass es das Gestell ist, welches Lady GAGA zu Beginn ihrer Karriere am häufigsten getragen hat. So hatte ich die Idee, das zu kombinieren und dabei ist dieses Foto entstanden.“

surprise-in-nyc

SwaggMan
Brille: Emmanuelle Khanh EK1200

„SwaggMan ist ein Rapper aus Paris und ein „Instagram-Freund“ von mir. Wir folgen uns dort schon längere Zeit und das alles nur aus der Leidenschaft zu Vintage Brillen heraus. 2013 waren wir beide zur gleichen Zeit in New York und wir hatten uns eigentlich auch zu einem Treffen verabredet, zeitlich klappte das aber nicht. Als ich an meinem letzten Abend in NYC auf der 5th Avenue unterwegs war, habe ich trotz Dunkelheit jemanden mit einer Sonnenbrille entdeckt. Bei näherem Hinsehen haben wir uns sofort erkannt. SwaggMan – der Zufall hat uns dann doch noch zusammengeführt. Seit dem Zeitpunkt telefonieren wir regelmäßig und unterhalten uns über Brillen und andere Vintage Sammlergegenstände.“

cazal-bros

Armen Djerrahian und Dameion Williams
Brille: Cazal 642

„Als ich mich mit Armen und Dameion in Brooklyn getroffen habe, um von den beiden und ihrer Cazal Sammlung ein paar Fotos zu schießen, kam dieser Cadillac an uns vorbei gefahren. Armen hat den Fahrer einfach gestoppt und das Auto beschlagnahmt. Nachdem wir zehn Minuten lang zwei Spuren versperrt haben, hat uns die Polizei höflich darum gebeten, den Weg wieder frei zu machen. Das geht nur in NYC.“

Recommended Posts