„No Design – No Future!“

Designer, Visionär, Kosmopolit, Trendsetter: Bereits seit den späten 80er Jahren setzt Wolfgang Proksch Akzente in der internationalen Optikbranche. Nach Design-Jobs für Marken wie Bugatti, Paul Smith, Oliver Peoples, Sama L.A. und ic! berlin, gründete Proksch 2003 den Vertrieb PM/D mit Sitz in Königsbach-Stein. Mit seinen drei Labels – WOLFGANG PROKSCH, ByWP und ANDERNE – verbindet der GOOD DESIGN Award Preisträger klassisch-modernes Design, internationale Perspektive und traditionelle Handwerkskunst. Nach unserem gemeinsamen Foto-Shoot in Tokio, brainstormte der Asienliebhaber mit uns während seines Aufenthaltes in Seoul, bevor er sich in Hongkong schließlich zur Video-Konferenz zum Designer Interview mit uns verabredete. Dass ich dabei das Editing für dieses Interview gerade in Los Angeles vornehme und der Artikel später in Köln layoutet wird, unterstreicht nur den internationalen Charakter unseres Protagonisten.

Den Großteil seines Lebens verbringt der Mensch ohne Antworten auf die großen Fragen seiner Existenz: Bin ich auf dem richtigen Weg? War das die richtige Entscheidung? Hätte ich etwas besser machen können? Das Universum schweigt in der Regel und die Suche geht weiter, mit Ausnahme einiger weniger transzendentalen Momente, in denen kurz der Vorhang fällt und die Karten offen auf dem Tisch liegen. Einen solchen Einblick erhielt Wolfgang Proksch unverhofft im Frühjahr 1999: Ein Freund kam gerade aus der Filmpremiere des Mega-Blockbusters „The Matrix“ und musste sofort anrufen. In einer Taxiszene trägt die Hauptdarstellerin eine Brille aus Prokschs aktueller Kollektion; eine Sonnenbrille im Stil einer auf dem Bauch liegenden Acht.

Da war sie, die Antwort des Universums. „Bei den Dreharbeiten in Sydney hat die Produktionsfirma die Brille in einem kleinen Optikladen entdeckt und so landete sie im Film. Es war schon ein enormer Fame, nur leider hatte der Vertrieb in den USA nicht genug Brillen auf Lager, da ist das leicht verpufft“, erinnert sich Proksch mit einem Lächeln.

Seitdem ging Wolfgang Proksch zielstrebig seinen Weg als Eyewear-Designer und rief nach zahlreichen Auftragsarbeiten für große Labels –  darunter auch Modegrößen wie Loewe, Givenchy und Fendi – die eigenen Marken ByWP und ANDERNE ins Leben, um seine kreativen Ideen in die richtigen Bahnen zu leiten. Inzwischen beschäftigt das Unternehmen zwölf Mitarbeiter und Prokschs Designs zählen bei designaffinen Optikern in Europa und den USA sowie in Japan, Korea, Taiwan und Hongkong zu den Aushängestücken. Dem internationalen Focus entsprechend verbringt Wolfgang Proksch viel Zeit auf dem Sprung zwischen Zeitzonen und Kulturkreisen, was ihm, zusammen mit einem Freundeskreis unter dem Who-is-Who der Optikbranche, im Laufe der Jahre eine einzigartige Perspektive verschafft hat. Aber das erzählt er besser selbst…

Hallo Wolfgang, was führt Dich momentan nach Asien?

Wir nutzen Die Hongkong Messe, um hier unsere Geschäftspartner zu sehen. Hongkong ist nach wie vor ein Dreh- und Angelpunkt für die asiatischen Märkte und die Stadt an sich ist für mich so inspirierend, dass sich ein Besuch immer lohnt. Und es hat sich ja ebenso wie im Fashion-Bereich auch in der Optikbranche eingebürgert, dass man zwei Kollektionen im Jahr lanciert. Wir zeigen hier den Optikern unsere neuen Modelle.

Gerade in der Mode wird das manchen Marken auch schon wieder zu viel mit den ständigen Neuheiten.

Ja, ich würde das auch gern etwas downgraden und stattdessen mehr Zeit haben, die Brillen in Ruhe zu entwickeln und auf Dauer im Programm zu behalten. Als Konsument habe ich auch viele Lieblingsstücke, die mich schon seit zehn Jahren begleiten und die nie aus der Mode kommen. Wenn ich heute eine Brille designe, ist es schon mein Ziel,  dass der Träger sich auch in drei Jahren noch auf die Straße trauen kann, ohne dass die Leute sagen, „Oh das war ja gestern.“

Stichwort „gestern“, Du kommst gerade frisch aus Korea und die Fotos haben wir in Tokio geschossen. Wie viel Zeit verbringst Du im Rahmen Deiner Arbeit durchschnittlich auf Reisen?   

In der Regel bin ich pro Jahr zwischen vier und sechs Mal in Asien. Ansonsten sind wir auch auf Messen wie Mailand und Paris vertreten, entweder mit Stand oder einer Trunk Show wie jetzt kürzlich im Buddha Bar Hotel in Paris während der SILMO. Messen sind ja heutzutage keine Verkaufsmessen mehr, es zählt vor allem im Gespräch zu bleiben und gesehen zu werden.

Mit welcher Perspektive blickst Du als Globetrotter auf die internationale Optikbranche?

Die Entwicklung überschlägt sich momentan schon sehr. Es tauchen immer wieder neue Marken auf, die Trends werden sehr schnell kopiert – es gibt eine „Me Too“-Produktflucht, was schon beängstigend ist. Hat man eine gute Idee, findet man sie in der nächsten Kollektion schon bei 20 anderen Marken. Alles ist rasant geworden und die Branche hat sich schon verändert.

Wie hält sich dabei die deutsche Optikbranche im internationalen Vergleich?

Die Deutschen sind sehr eigenständig. Unsere Produkte lassen sich schon sehr schnell identifizieren. Wir unterscheiden uns sichtlich von asiatischen Kollektionen und dieses Alleinstellungsmerkmal rettet uns auf dem dortigen Markt.

Wie würdest Du dieses Alleinstellungsmerkmal definieren?

Deutsche Brillen und die unserer skandinavischen Nachbarn sind schon stark reduziert, sehr schlicht, sehr klar im Design, aber auch qualitativ etwas Besonderes. Es gibt daneben aber auch Design-Kollektionen,  die sehr avantgardistisch oder künstlerisch angehaucht sind – auch das sind wir.

Wo wir gerade beim Design sind, Du kamst ja eigentlich als Quereinsteiger ins Metier, oder?

Ja, ich komme ursprünglich aus dem Marketingbereich, das Design kam erst später. Mit Mitte 30 habe ich Marken wie Bugatti betreut, das war die Zeit, als die Porsche Design Brille unheimlich Furore gemacht hat und gigantische Stückzahlen verkauft wurden. In diesem Flow ist auch die Bugatti-Brille geschwommen und war sehr eigenständig mit nur einer Glasform in etlichen Varianten. Damals machte ich meine ersten Gehversuche mit Designs und entwickelte meine ersten Modelle, die heute noch als Vintage-Brillen erhältlich sind. Meine erste Kollektion ist dann mit Traction Productions, dem damaligen Produzenten von l.a. Eyeworks, im französischen Jura entstanden.

Nach über zwei Jahrzehnten als Designer, wo findest Du noch Inspiration für neue Designs?

Sie kommt aus einer unendlichen Menge von Eindrücken, die ich mir unterwegs auf Reisen hole. Und natürlich lass ich mich auch von Kollegen inspirieren, die coole Ideen haben. Ich hole mir auch sehr viel Inspiration von Automobildesign und Architektur. Und alte Filme sind immer wieder ein Füllhorn an Inspiration, ebenso wie meine Freundschaft zu Oliver Goldsmith, den ich sehr schätze und der mit „Frühstück bei Tiffany“ die Industrie nachhaltig geprägt hat. Die Metropolen, die Streetwear –  das gibt natürlich auch viel her. Jede Stadt hat ihren eigenen Stil und ich lasse mich überall inspirieren.

Stichwort Trends: Womit wird momentan in der Optikbranche zu viel Overkill betrieben?

Grundsätzlich stört mich die Überflutung der Märkte mit immer noch mehr Produkten, die keiner braucht. In der Branche meint mittlerweile jeder, er müsse eine Kollektion auf den Markt bringen.

Welche Design-Trends findest Du momentan spannend?

Vor allem, dass man nach Jahren Kunststoff, Kunststoff, Kunststoff sich auch wieder mehr an Metall erinnert. Ich bin ja sehr durch Metall geprägt und finde es schön, dass Kunststoff jetzt in Kombination in untergeordneter Rolle und dekorativ eingesetzt wird. Die Brillen werden auch leichter und fühlen sich super an und das ist innovativen Materialien zu verdanken.

Mit Blick in den Einzelhandel, wie sieht der optimale Händler für Deine Produkte aus?

Der optimale Händler sollte zeitgemäßes Ladendesign haben, keine Überfrachtung mit tausenden von Brillen, sondern eine klare Selektion. Man muss nicht alles vom Billig- bis zum Luxusprodukt in einem Laden vorfinden. Das Personal muss stimmen und die Leidenschaft für Design-Produkte sollte da sein, denn unsere Produkte sind nicht selbsterklärend. Man muss schon eine Geschichte erzählen können, um die Aufmerksamkeit der Kunden zu gewinnen.

Wohin steuert Deiner Meinung nach die Branche in den nächsten zehn Jahren?

Für kleine Marken wird das Überleben immer schwerer, wenn man nicht starke Partner und ein starkes Netzwerk hat. Da wird es noch ein großes Reinemachen geben. Im Einzelhandel werden die Chain Stores immer mehr zunehmen, und wenn diese auch noch das Luxury-Segment abdecken, werden es die unabhängigen Optiker sehr schwer haben. Ich denke, die Independent Optiker müssten besser kooperieren. Eine andere Chance ist die Polarisierung zur Nische, das ausschließliche Arbeiten mit Kollektionen und Marken, die bei den Großen nicht zu finden sind. Alle One-Store-Retailer, die auf der Billigwelle reiten, werden verschwinden. Die haben keine Chance.

Und wie siehst Du Deine Labels in den nächsten zehn Jahren?

Na oben hoffentlich – positiv denken! Marketing und ein klarer Markenauftritt, der bestimmte Emotionen auslöst, sind ganz wichtige Punkte. Auch wir werden unsere Marken weiter aufbauen, deren Positionierung schärfen und diese dem Kunden nahebringen.

Deine letzten Worte?

Without Design – There is no Future! Das Design wird uns prägen und das Produkt aus der Anonymität herausholen. Das Design ist für die Kaufentscheidung eines Produktes ein ganz wichtiger Faktor geworden – ob im Brillenbereich oder bei einem Handy. Ohne Design wird nichts mehr funktionieren!

Drei Labels – eine Leidenschaft

WOLFGANG PROKSCH

Seit 1999 bietet das Label Designs der „klassischen Moderne“, neuzeitlich interpretiert. Prägendes Stilelement der Brillen und Sonnenbrillen ist das von Proksch entwickelte flexible Scharnier mit innovativem Federzug-Effekt, das weltweit patentgeschützt ist. „Ich bin schon sehr designverliebt und versuche in dieser Kollektion immer Überraschungsmomente einzufügen“, sagt Proksch. Neben der Ästhetik der klassischen Moderne – er ist großer Bauhaus-Fan und lebt das Motto „unverschämt schlicht“ – legt WOLFGANG PROKSCH großen Wert auf Handwerkskunst und Qualität. Daher findet die Produktion in ausgewählten Manufakturen in Japan statt, wo hochwertiges Titan und Acetat optisch und haptisch ein hochwertiges Finish erreichen. „Die Produktion in Japan hat mich sehr geprägt. Das Handwerk, die Denkweise – die Japaner sind fasziniert von Qualität und Präzision und respektieren Historie. Hier wird man respektiert als Person und als Designer, so wie es das bei uns eigentlich gar nicht gibt“, sagt Wolfgang Proksch.

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WP1404 und WP1406

„Meine neuesten Entwürfe für WP. Kombinations-Modelle mit signifikantem, neuartigem elastischen „V“-Design-Bügel.“ 

ByWP

Im Namen der 2003 gegründeten Marke stecken die Initialen von Wolfgang Proksch und oberster Leitsatz ist die stilvolle Kombination aus modernen Trends und industriellem Design. „Ich sehe das Label als Design-Produkt und so treten wir auch auf“, sagt Proksch. Die Brillenfassungen bestehen aus hauchdünnem Edelstahl oder Beta-Titan aus Japan, veredelt mit Ionenbeschichtung. Markenzeichen von ByWP ist das patentierte, schraubenlose Scharnierdesign auf Basis einer zylindrischen Halbschale als Gleit- und Drehelement sowie Federzungen im Einrastmechanismus. „Ich hatte die Technik einem angesagten Berliner Label angeboten und die wollten nicht. Also habe ich gesagt, ‚Ich mach es selbst!’ Und wir haben gleich enorm viel verkauft, am ersten Morgen direkt 5000 Brillen. Das weiß ich noch wie heute“, sagt Wolfgang Proksch. Neben diversen internationalen Designpreisen hat das Label auch die Herzen vieler Stars und VIPs gewonnen, vor allem durch modisch anspruchsvolle Sonnenbrillen. 

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OY16402

„Oberbalken-Brille in neuzeitlicher Optik und Flat-Sheet-Konstruktion. Als stilistisches Vorbild diente die 057 aus 1963 von Essilor – im Insider-Jargon auch „08/15“ genannt. 

Meine Lieblingsbrille, da erfrischend neu und besonders im Design.“

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„Dünnrandiges Design aus Azetat und Stahl mit markanter, extrem feiner Doppelbrücke und flachem Glas.“

ANDERNE

Im Markennamen ANDERNE steckt das Konzept „Another Moderne“ – eine Neuinterpretation der modernen Ästhetik mit Sinn für Tradition ohne Angst vor Experimenten. Das Label zelebriert den modernistischen Hang zu traditionellen, funktionellen Formen, die im aktuellen Kontext neue modische Akzente setzen. „ANDERNE ist sehr fashion-lastig, die Kollektion besteht zu 60 Prozent aus Sonnenbrillen. Die Marke wird von uns als Fashion-Accessoire behandelt, wir bieten immer sehr kurzfristig neue Themen an“, sagt Wolfgang Proksch. Von der ersten Kollektion an setzte die Marke Akzente mit der Doppelbrücke, die seitdem oft kopiert wurde. „Und Pink ist bei uns eine Farbe, die immer wieder in vielen Varianten auftaucht.“ ANDERNE richtet sich an Kunden mit Sinn für die schönen Seiten des Lebens. Das Label ist zuhause in den Metropolen der Welt, in denen guter Geschmack und Sinn für qualitativ hochwertige Brillen gelebt werden.

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Cloud No. 9 

„Fashion Statement im Look der Gletscher-Brillen in roter Signalfarbe. Einzeln verstellbare Side-Shields. Flat Lenses.“

Straight Edge

„Trendige Kombi-Brille mit barock-gotischer, erhabener Ziselierung an Brücke und Bügel.“ 

wolfgangproksch.com

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