YOHJI YAMAMOTO – Interview with Sam Craig

Sam Craig

Alter: 38 Jahre
Familie: Kreative Familie – Mode, Architektur, Theater, Musik.
Standort: London
Designer seit: 17 Jahren
Designer für Brando seit: 3 Jahren
Designer für YY seit: 2 Jahren
Leidenschaften außer Design: Musik, Graphik, Kunst, Reisen, Essen, Lachen.

YOHJI YAMAMOTO ist ein besonders schillernder Name – nicht nur, weil er allein phonetisch schon ein Gedicht ist, sondern vor allem wegen der Brillanz und Kreativität des Namensträgers. Der japanische Modeschöpfer, der sich selbst viel lieber als „Schneider“ bezeichnet, hat für seine außerordentlich eigenständigen Designs weltweit die renommiertesten Auszeichnungen gewonnen.

Seit nun zwei Jahren gibt es von YOHJI YAMAMOTO nun auch Brillen. Dass eine Marke mit solch einer individuellen Design-Strahlkraft nicht mit austauschbaren Brillendesigns harmoniert, versteht sich von selbst. Wo YY drauf steht, muss auch YY drin sein. Unseres Erachtens gibt es wenige Beispiele, bei denen der Markentransfer eines Textil- auf ein Brillenlabel so gut gelingt wie bei YOHJI YAMAMOTO. Warum das so ist und worin im Design- und Fertigungsprozess der Brillen die besonderen Herausforderungen liegen, erklärt uns Sam Craig, Creative Director bei Mondottica und somit zuständig für das Design von YY.

Hallo Sam, für das Brillendesign eines Labels wie YOHJI YAMAMOTO verantwortlich zu sein, ist eine große Auszeichnung für jeden Designer.
Ja! Im September war ich in Tokio und besuchte YOHJI YAMAMOTOS Flagship Store in Omotesando. Unsere gemeinsam erstellten Produkte dort vollständig ausgestellt zu sehen – wobei die extremsten Brillen bereits ausverkauft waren – war schon einer dieser „Kneif-mich-mal-jemand-Momente.“ Das war die absolute Bestätigung für mich: Wenn du dich nur traust, etwas Besonderes zu schaffen, gibt es auch Leute, die verstehen, was Du damit erreichen willst.
Yamamoto ist einer der großen Designer unserer Zeit. Es ist eine große Ehre, mit ihm und seinem Team zusammenzuarbeiten. Er ist ein echtes Multitalent – ein Designer, Musiker, Künstler, Poet, Philosoph und Rockstar. Von allen Menschen, die mir jemals begegnet sind, kommt er einem Genie am nächsten. Als Designer sind Projekte wie dieses extrem selten und dessen bin ich mir auch bewusst. Ich habe dabei die Gelegenheit, Grenzen zu überwinden, an Theorien zu arbeiten und nicht nur Avantgarde-Designs umzusetzen, sondern komplett gegen den Strom zu schwimmen.

Dabei ist YY in erster Linie Designer-Fashion-Label. Was sind Deiner Meinung nach die Markenphilosophie und die wichtigsten charakteristischen Designelemente?

Yamamoto nennt oft Stoffe als seine wichtige Inspirationsquelle. Er glaubt, dass Materialien mit einem sprechen, wenn man nur zuhören mag. Seine Designs haben etwas Zeitloses, als gehörten sie in keine bestimmte Epoche. Für unbedarfte Zuschauer ist es so gut wie unmöglich, eine seiner Retrospektiven anzuschauen und den Stücken ein Jahrzehnt zuzuordnen. Er vermeidet das Wort „Mode“, da es vergängliche Launen impliziert. Eines meiner Lieblingszitate des Meisters lautet: „Mit meinen Augen auf die Vergangenheit gerichtet, laufe ich rückwärts in die Zukunft.“ Das beschreibt am treffendsten, wie seine Designs auf mich wirken – weder retrospektiv, noch futuristisch.
Yamamoto verehrt Frauen; ihre Formen, ihre Schönheit und er spricht oft davon, wie er Kleidung von hinten nach vorne entwirft. Für ihn ist die Rückenpartie wichtiger als die Vorderseite. Er glaubt, Kleider werden von den Schultern und dem Rücken getragen. Dieser philosophische, künstlerisch angehauchte Designansatz ist typisch für Yamamoto.
Am bekanntesten ist er aber wahrscheinlich für seinen Umgang mit der Farbe Schwarz. „Schwarz ist gleichzeitig bescheiden und arrogant. Schwarz ist faul und leicht – aber geheimnisvoll.“ Dabei sind seine schwarzen Teile oft alles andere als Schwarz. Einmal zeigte er mir ein paar Hosen im Military-Look und fragte nach der Farbe. „Schwarz?“ entgegnete ich naiv. „Nein, sie sind Grün auf Grün auf Grün. Dadurch sind sie mehr als Schwarz“, war seine Antwort.

Wie überträgst Du diese einzigartige Designphilosophie in die Brillenkollektionen?

Zum Auftakt der Zusammenarbeit erhielten wir ein Briefing in drei Worten: „Avantgarde, dramatisch und/oder intelligent.“ Das Azetat der Kollektion haben wir exklusiv zusammen mit Eleanor Mazzucchelli entwickelt. Dabei sprachen wir darüber, Farben zu schaffen, die „mehr“ als Schwarz sind. Wir wollten Materialien in den möglichst dunkelsten Farbtönen schaffen und dabei mit Einsatz von mehr Pigmenten eine ungewöhnliche Tiefe erzeugen.
Dekonstruktion und Rekonstruktion sind zwei der Hauptthemen der Kollektion. Die Rahmen werden in zwei Teile geschnitten und wieder zusammengesetzt. Traditionelle Formen zerlegen wir in Stücke und führen sie auf nonkonformistische Weise zusammen. Runde Augenformen werden aus traditionellen Konturen herausgestanzt und Gläserformen mit Azetat umrandet.
Die Innenseite der Rahmen ist für uns ebenso wichtig wie die Außenseite. Die Passform musste sich ebenso anfühlen wie Yamamotos Kleidungsstücke. So als ob einem die Brille schon jahrelang gehört; als sei sie maßgeschneidert worden. Wir hoffen auch, die gewisse Avantgarde-Ästhetik eingefangen zu haben, indem wir aufwändige und einzigartige Formen bringen. Nichts an dieser Kollektion wurde nach kommerziellen Gesichtspunkten entworfen.

Wie müssen wir uns den Designprozess vorstellen? Arbeitest Du direkt mit Yamamoto San oder eher unabhängig?

Wir haben das große Glück, zeitweise direkt mit ihm zu arbeiten. Und wir arbeiten sehr eng mit seinem Designteam in Tokio zusammen. Sie stellen uns auch die aktuellsten Stoffproben, Farbpaletten und Designkonzepte zur Verfügung, damit wir garantiert auf gleicher Wellenlänge mit ihrer nächsten Kollektion sind.

Hast Du ein Beispiel, wie ein Design von Anfang bis Ende entwickelt wird?

Unser Ausgangspunkt ist eine Designphilosophie, in den meisten Fällen ein einzelnes Konzept, das sich komplett durch alle Bereiche eines Projekts erstreckt. Dann widmen wir uns der Auswahl der Materialien, bevor wir überhaupt darüber nachdenken, wie die Brillenrahmen im Einzelnen aussehen werden. Dabei stützen wir uns auf die uns zugesandten Stoffproben, Mood Boards sowie unsere eigenen Nachforschungen. Dann nehmen wir uns ein weißes Blatt Papier und malen Skizzen. Von Hand zu arbeiten, ist ein extrem wichtiger Ansatz. Ich glaube, direkt auf dem Computer zu zeichnen, kann nicht alle Details menschlicher Arbeit einfangen. Jedenfalls noch nicht.

Wie hat sich die Markenphilosophie von YY seit den Anfängen bis heute entwickelt?

Gar nicht, denn Yamamoto verfolgt seinen einzigartigen Ansatz seit Jahrzehnten unverändert.

Kommen wir zur neuen YY Kollektion. Was ist deren besonderes Markenzeichen?

Dieses Mal bringen wir extrem matte Gläser ins Spiel. Unsere einzigartige Technologie basiert auf reflektiertem Licht, das durch eine Antireflexschicht in den Gläsern extrem matt wirkt. Beim Tragen verlieren die Gläser jedoch keinesfalls an optischer Schärfe. Der Effekt ist rein ästhetisch und lässt die Augen in wunderbar entspanntem Licht erscheinen. Wir wollten die ultimative matte Brille kreieren, und mich hat seit jeher gestört, dass der Glanz der Gläser immer davon abgelenkt hat. Mit den neuen Gläsern haben wir dieses lang gehegte Ziel endlich erreicht. In Matte Gold sind die Gläser einfach unendlich tief.
Inspiriert durch das japanische Designkonzept „Wabi Sabi“, dessen Grundwerte Unvollkommenheit und Natur sind, haben wir auch eine Metallbeschichtung aus „dreckigem“ Gold geschaffen. Diese wirkt gleichzeitig alt und neu, als ob das Metall inmitten der Natur seine eigene Entwicklung vollzogen hat.

Wie siehst Du die Entwicklung zwischen der aktuellen und der kommenden Kollektion?

Wir haben uns stärker mit Metalldesigns beschäftigt, was sich im Gleichgewicht der Kollektion widerspiegelt. Wir wollten eine neue Art des Umgangs mit Metallen prägen und sie gleichzeitig dünn und leicht, jedoch stark im Aussehen einsetzen. Metalle sind produktionstechnisch gesehen extrem aufwändig, dabei ist ihr Erscheinungsbild trügerisch einfach.

Neben Metallen, was hat Dich bei der aktuellen Kollektion inspiriert?

Die neuen Sonnenbrillen feiern das meisterhafte Design Yamamotos, wobei sein handgemaltes Logo die wichtigste Inspirationsquelle darstellte. Die Brillenrahmen ähneln den geschwungenen Linien des Pinsels, der kunstvoll und präzise über das Papier tanzt, ohne dass die Pinselspitze das Blatt verlässt. Die gesamte Kollektion beschäftigt sich mit runden Linsenformen. Dabei werden traditionellen Formen zukunftsgemäß neu interpretiert, indem Kreise ausgestanzt und Formen dekonstruiert werden.

Wie viele Modelle umfasst die neue Kollektion?

Unsere neue Sonnenbrillenkollektion umfasst zehn Modelle, während in der Korrekturbrillenkollektion zwölf neue Modelle vorgestellt werden. Jedes Modell ist in drei bis vier Farben erhältlich.

Was sind die besonderen technischen Errungenschaften der neuen Kollektion?

Durch Einsatz der exklusiv mit Mazzucchelli entwickelten Azetate für diese Kollektion ähnelt das Material den außergewöhnlichen, handgemachten japanischen Stoffen der Yamamoto Bekleidungskollektion. Hierbei wird Spitze mit Schwarz und Gold verwoben, was als direkte Inspiration für unser Azetat diente.

Hört sich aufwändig an.

Das stimmt. Wenn man einen Rahmen zerlegt, gleicht das Zusammenfügen beider Teile einem chirurgischen Eingriff. Jedes getrennte Element muss wieder perfekt mit seinem Gegenstück verbunden werden, um seine Stärke wiederherzustellen und gleichzeitig eine neue Form zu schaffen. Das erfordert ein enormes Auge fürs Detail, vor allem wenn Metall auf Azetat trifft und Oberflächen zum ersten Mal zusammengefügt werden.

Für unseren Collection Check haben wir aus der neuen YY Kollektion Deine persönlichen Favoriten fotografiert. Was gefällt Dir an diesen besonders gut?

Sonnenbrillen
„»YY7005« ist die Ikone dieser Kollektion. Wir verfolgten das Prinzip von Formen innerhalb von Formen. Traditionelle Konturen wurden mit Drahtrahmen nachempfunden und runde Linsenformen wurden ausgestanzt, wobei ultra-matte Goldgläser den Look vervollständigen.“

YY-PDM008467 4921-140 004+PDM008463 5020-145 069

„Als Entdeckungsreise in die Tiefen des Farbspektrums besteht die »YY5014« aus mehreren Schichten dunkler Farbtöne, die auf den ersten Blick Schwarz wirken, aber viel tiefer gehen.“

„Als Meisterwerk in Sachen Verarbeitung war die »YY5016« eine der aufwändigsten Brillen der Kollektion. Der dünne Rahmen aus Leichtmetall ist das Fundament der Brille, während das sorgfältig geformte Azetat anschließend darübergelegt wird.“

YY-PDM008470 5524-140 771+PDM008461 5321-145 115

„Die »YY5012« bietet den inzwischen für YOHJI YAMAMOTO charakteristischen Quersteg und ist Paradebeispiel der Philosophie des „Wabi Sabi“. Der Rahmen wurde auseinandergenommen, der obere Linsenrand abgeschnitten und beim Zusammensetzen durch einen Quersteg aus Metall zum perfekten Gesamtwerk ersetzt.“

Korrekturbrillen

„Die »YY1027« erhält dimensionale Tiefe durch tiefe Einschnitte im Quersteg, wodurch die dreidimensionale Beschaffenheit des Azetats optimal zur Geltung kommt.“

YY-PDM008569 201 4919 145+PDM008561 048 5020-140

„Das Modell »YY3010« ist furchtlos und selbstbewusst. Die Brille greift rote Farbakzente aus der YY Kollektion FS2016 auf, wobei die runde Augenform neue Prägnanz und Ausdrucksstärke durch den oberen Rahmen aus Azetat erhält. Yamamotos stilsicherer Einsatz von Schwarz steht oft im Zusammenspiel mit sorgsam ausgewählten Kontrastfarben.“

„Die »YY1028« verkörpert die Ästhetik von YY mit ihren tiefen, selbstbewussten Linsenformen aus zart weißem Azetat mit eingestanztem „Y“ in den Bügeln.“

YY-PDM008562 58-16-140 867+PDM008571 908 5317-148

„Inspiriert durch die unvollkommene Schönheit tanzen Schatten von Grau über die Oberfläche der »YY1029« und erinnern an Rauchschwaden, während der solide Metallsteg den Rahmen fest zusammenhält.“

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