DESIGN TALK WITH MARKUS T.

TALKING DESIGN ON THE META-LEVEL.

INSIDE MARKUS T'S TRANSPARENT WORKSHOP.

Markus Temming hat schon lange ein Faible für Produktdesign. Dass er dabei auch ein gutes Händchen hat, beweist er seit 1999 mit seiner Brillenmarke MARKUS T, mit der er von Ostwestfalen aus die große, weite Welt mit Qualitätsbrillen – Made in Germany – versorgt.
Exkursionen in andere Design-Genres außerhalb der Brille waren für die Öffentlichkeit bisher kaum wahrnehmbar. Das könnte sich ab sofort ändern, denn das Unternehmen ist jüngst in ein neues Firmengebäude umgezogen,
in welches es Besucher aktiv einlädt, sich den Fertigungsprozess von MARKUS T Brillen anzuschauen.
Wir treffen uns mit Markus vorab für eine private Führung und – so viel wollen wir schon mal vorwegnehmen – wird sind beeindruckt. Die liebevoll restaurierte Kornbrennerei in der Nähe von Gütersloh erinnert mehr an eine Wellness Oase, in der Yoga Retreats abgehalten werden, als an eine klassische Brillenmanufaktur.
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MARKUS T

Der unter Denkmalschutz stehende Gebäudekomplex wurde von Markus vor zwei Jahren erworben und liebevoll umgebaut und renoviert. Neben seiner Liebe für das historische Objekt gab es auch ökonomische Faktoren, die ihn zu diesem Projekt bewegten. Über die Jahre ist MARKUS T gewachsen und hat dabei seine Raumkapazitäten immer wieder an die inzwischen fast 80 Mitarbeiter anpassen müssen. Dieser sukzessive Ausbau hat aber auch zu nicht optimalen Abläufen geführt und „irgendwann war es einfach zu eng“. Mit dem neuen Gebäude konnte alles von Null auf neu geplant werden, viele Arbeits-Prozesse in der Verwaltung und der Produktion wurden optimiert und Maschinen erneuert.

 

Das wirklich Besondere am neuen Gebäude liegt jedoch nicht in der Optimierung, sondern ganz klar in der liebevollen Designhandschrift, die sich wie ein roter Faden durch alle Bereiche des Unternehmens zieht. Vom Chefbüro, über den Verkauf bis hin zur Produktion. Überall stehen die gleichen Schränke, es wird an den gleichen Schreibtischen und unter dem gleichen Licht gearbeitet. Es gibt keinen hierarchischen Unterschied bzgl. des Mobiliars. Die Designs für das Interieur stammen ebenfalls von Markus und seinem Team. Quasi neben ihrer eigentlichen Arbeit haben die Mitarbeiter mit sehr viel Engagement und Eigeninitiative ein Firmengebäude ausgestattet und eingerichtet, welches auf diesem Niveau in der optischen Welt seinesgleichen sucht.

 

Einen besonderen Fokus legt Markus dabei auf die verwendeten Materialien. Im Gebäude soll sich auch die Philosophie der Brillenmarke widerspiegeln. Es werden hochwertige, leichte und dennoch stabile Materialien verwendet. Schränke und Schreibtische sind im ganzen Gebäude aus schwarzen CDF Platten gefertigt, die Lampen schweben quasi über den Arbeitsplätzen und sind wie die Brillen einfach zusammengesteckt. In der ganzen Firma gibt es keine Furniere, nur rohe Materialien. Abgerundet wird das Gebäudedesign durch die offenen Backsteinwände, einen hellen Betonboden und große Glasflächen. Es gibt kein Büro und keine Produktionsabteilung, die nicht durch Glaswände komplett einsichtig wären. „Gläserne Manufaktur“ nennt Markus dies und fordert insbesondere Optiker auf, den neuen Standort zu besuchen und sich einen Einblick darüber zu verschaffen, wie Brillen hier „on demand“ für die Kunden produziert werden. Mit dem Umzug wurde auch das Warenlager aufgelöst. Brillen werden innerhalb von einer Woche auf Bestellung hin produziert. Das gesamte Arrangement wirkt wie ein gigantischer Showroom, nur dass hier nicht nur das fertige Produkt, sondern auch jeder einzelne Schritt im Entstehungsprozess angeschaut werden kann. Darüber hinaus fungiert die ehemalige Kornbrennerei auch als Showroom für das selbst designte Interieur, welches demnächst ebenfalls verkauft werden soll.

Markus T with dog
Bereits seit 1999 entwirft Markus Temming unter seinem eigenen Label MARKUS T exklusive Brillenfassungen – mit Produktion zu 100% Made in Germany. Sein Markenzeichen: Intelligente Technik und anspruchsvolles Design mit hohem Qualitätsanspruch. Im Laufe der Jahre hat MARKUS T einige technische Verfahren entwickelt und perfektioniert, die den Look der Marke prägen und die Brillen vom Mainstream abheben.
Besonders charakteristisch für handgefertigte Brillen aus der westfälischen Manufaktur von MARKUS T ist die schraubenlose Konstruktion der Scharniere: Das von Markus Temming entwickelte, viereckige Scharnierklötzchen bietet nicht nur eine elegante Alternative zu herkömmlichen Schrauben, sondern befreit den Träger auch von späteren Wartungsarbeiten beim Optiker.
In Sachen Material setzt MARKUS T ebenfalls auf Qualität und lang andauernde Leistung. Von Anfang an stand hochwertiges Titan im Mittelpunkt der Kollektionen, vor allem aufgrund seiner anti-allergenen, ultraleichten und langlebigen Eigenschaften. Weiterhin passt Titan in der Verarbeitung perfekt zu den smart-progressiven Designs des Labels – die perfekte Synthese zwischen Werkstoff und Ästhetik.
Als Markus Temming und Team diese Eigenschaften auch bei Kunststoffbrillen anbieten wollten, war auf dem Markt keinerlei Material in der Lage, ihren Ansprüchen gerecht zu werden. Also entwickelte und patentierte das Label kurzerhand eine eigene Art von Polyamid – bekannt als TMi – das als leichter und langlebiger Kunststoff die Kollektionen bereichert, sehr zur Freude der treuen Fans des Labels.
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Hallo Markus, bei Euch ist ja momentan viel los. Wieso der Firmenumzug?
Kurz nach Beginn meiner Selbständigkeit im Jahr 1999 war bereits der Gedanke zur Umstrukturierung der ehemaligen Kornbrennerei in Isselhorst geboren. Ich bin auf meinem Arbeitsweg täglich an dem 1689 gegründeten Gelände vorbeigefahren. Die unterschiedlichen, über mehrere Jahrhunderte gewachsenen Gebäudeteile haben dabei eine große Faszination auf mich ausgeübt. Erste Gedanken und Ideen ließen sich schließlich in die Realität umsetzen, als MARKUS T weiter expandierte und mehr Platz für kreative Ideen benötigte. Der Hof stand bereits viele Jahre leer und wir haben nun die Chance zur Übernahme genutzt.

Was steckt hinter der Idee, sich erweitern zu wollen?
Das Label MARKUS T wächst stetig und die Vergrößerung der Arbeitsfläche war eine notwendige Investition, die sich an unsere Firmenphilosophie anlehnt, nämlich stetig weiter zu wachsen und sich zu erneuern. In der Brillenbranche ist schlagkräftiges Auftreten wichtig, um sich auf dem überlaufenen Markt durchzusetzen. Die permanente Entwicklung von Neuheiten und die kontinuierliche Weiterentwicklung von Design und Technik gehören zu den Erfolgsfaktoren von MARKUS T.

Wie viel Markus Temming steckt in dem neuen Firmengebäude?
100%. Ich war als maßgeblicher Gestalter und Ideengeber der gesamten Manufaktur involviert. Vom Gesamtkonzept bis zum kleinsten Lichtschalter konnte ich den Prozess mit Herzblut vorantreiben und bestimmen. Auch das Mobiliar und die Beleuchtung wurden von mir designt und entwickelt. So hat sich ein Ort geformt, der nicht nur meine Handschrift trägt, sondern auch den nötigen Raum für die gelebte Firmenphilosophie bietet: Teamgeist, Familienfreundlichkeit, kreatives Arbeiten – ein Platz zum Wohlfühlen. Mit der nötigen Ruhe für die Konzentration, aber auch der Lebendigkeit für Inspiration.

Es scheint eher ungewöhnlich, dass ein Brillendesigner sich auch um Gebäudeinterieur kümmert und dies auch noch selber designt. Hast Du Langeweile?
Nein, ganz und gar nicht, aber Design macht mir unglaublich viel Spaß. Es ist meine Leidenschaft und von daher keine Belastung für mich.

Dennoch: wäre Deine Zeit nicht gut in anderen Bereichen investiert?
Klassisch würde man das so vielleicht schon sehen und ich werde gelegentlich von meinen Mitarbeitern auch dezent darauf hingewiesen.

Aber?
Neben der persönlichen Freude sehe ich im Produktdesign jenseits der Brille auch einen klaren Vorteil. Durch die intensive Beschäftigung mit der Gestaltung anderer Produkte bekommt man Ideen, die man dann auch bei der Brille umsetzen kann. Design befruchtet sich.

Soll der neue Standort auch das Arbeitsklima positiv beeinflussen?
Es geht sogar über den reinen Firmenaspekt hinaus, denn die Konzeptentwicklung des Hofes lag mir besonders am Herzen. Auf dem 8800 Quadratmeter großen Gelände ist ein bunter Mix aus Arbeiten, Wohnen und Leben entstanden. In der facettenreichen Architektur der Kornbrennerei strahlt jeder Gebäudeteil seine eigene Individualität aus. Neben dem Herzstück MARKUS T als Unternehmen werden auf dem Gelände ebenfalls viele andere ein Zuhause finden. Gastronomie, ein Friseur oder eine Car-Sharing Firma sind Beispiele hierfür. Auf dem neuen Firmengelände von MARKUS T findet 24 Stunden am Tag Leben statt.

Auffällig ist auch, dass es in der Produktion genau so aussieht wie in der Verwaltung.
Ja, es war mir sehr wichtig, dass wir in unserer Firma keine Arbeitsplätze zweiter Klasse haben. Die Mitarbeiter in der Produktion leisten einen ebenso wichtigen Beitrag wie Mitarbeiter im Verkauf oder im Marketing. Mittags sitzen wir alle gemeinsam in der einen Küche – das stärkt das Teambuilding.

Die Produktion wirkt extrem aufgeräumt.
Wir versuchen, unsere Arbeitsplätze so clean wie möglich zu halten. Damit verfolgen wir aber nicht nur einen Selbstzweck. Das Stichwort heißt „Job Rotation“. In der Fertigung sollen Mitarbeiter nicht tagein, tagaus am selben Arbeitsplatz die immer gleichen Jobs erledigen. Vielmehr können neue Arbeitsplätze und Aufgaben während des Tages übernommen und abgearbeitet werden. Für den Mitarbeiter ist dies angenehmer und es erhöht unsere Flexibilität.

Wird sich das Design-Konzept auch in anderen Bereichen wiederfinden?
Ja, vielfach. Für Optiker arbeiten wir an POS Modulen, unser eigener Store in Bielefeld wird demnächst ebenso eingerichtet und auch unsere Messestände werden in Zukunft an die alte Kornbrennerei erinnern.

Das neue Firmengebäude soll auch für Besucher offen stehen. Warum?
Ja, daher auch die sinnbildliche „gläserne Manufaktur“. Endverbraucher und auch die Öffentlichkeit können hier nach Terminvereinbarung in die einmalige Erlebniswelt der MARKUS T Brillenmanufaktur eintauchen. Unsere Gäste können den gesamten Produktionsablauf vor Ort nachverfolgen.

Optiker doch bestimmt auch?
Ja, die „gläserne Manufaktur“ steht natürlich auch unseren Kunden offen. Neben dem Besuch der Produktionsstätte laden wir die Optiker herzlich ein, in dem neuen Showroom der Manufaktur unsere neuen Kollektionen zu sichten, sich beraten zu lassen und auch Bestellungen abzuwickeln.

Stichwort neue Kollektionen: Welche technischen Entwicklungen kommen in der neuen Markus T Kollektion zum Einsatz?
Zunächst haben wir die bestehende M1 Kollektion und M3 Kollektion revolutioniert und verändert. Ein sehr starkes Augenmerk lag dabei auf Formsprache, Design und Funktionalität. Die technischen Besonderheiten sind ausgewogener denn je. Wir haben das schraubenlose Scharnier in seiner Funktionalität optimiert und die reduzierte, sichtbare Technik noch stärker zum Ausdruck bringen können. Ausschlaggebend ist zudem das von uns zum Patent angemeldete Färbeverfahren und die Modifizierung des Kunststoffs TMi für unsere anstehende Herbstkollektion.

Gibt es ein eigenes Farbkonzept für die neue MARKUS T Kollektion?
Die bereits bekannten Farbkonzeptionen von MARKUS T bleiben bestehen, darunter typische Farben wie grey oder purple. Durch unsere eigenen Färbeprozesse können wir schneller auf Trends reagieren und neben den Klassikern auch immer wieder neue Farben ausprobieren, die sich stimmig in das Gesamtkonzept einfügen.

Danke, dass wir zu den ersten Besuchern in der gläsernen Manufaktur gehören durften.

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