ARMEN DJERRAHIAN…

IS DOING THE CAZAL JOB

Armen Djerrahian hat eine besondere Verbindung zur Kultmarke aus Passau: Mit “THE CAZAL JOB” shootet der in Frankreich geborene Fotograf bereits zum fünften Mal ein Lookbook für das Traditionsunternehmen. Die ungewöhnlich lang anhaltende Zusammenarbeit liegt nicht nur an der technischen Qualität des weit gereisten Fotografens, der Brooklyn zu seiner Wahlheimat gemacht hat. Armen ist selbst seit Jahrzehnten überzeugter CAZAL Fan und Sammler und bringt dank seines persönlichen Backgrounds im Hip-Hop den CAZAL Vibe genau auf den Punkt. Im SPECTR Portrait erklärt Armen Djerrahian seinen Werdegang und die persönliche Verbindung zur Marke.

Hallo Armen, gib uns mal bitte einen kleinen Einstieg.

Aufgewachsen bin ich Paris, wo ich auch den Großteil meines Lebens verbracht habe und ich sehe mich als ein Produkt der Achtzigerjahre. Damals erlebten wir in Sachen Musik und Kultur einige der einflussreichsten Bewegungen überhaupt.

Die frühen Achtziger haben mein Leben unglaublich geprägt. So circa 1982-83 kam ich mit der Hip-Hop-Kultur in Berührung und war ein Boy-Boy und Graffiti-Sprüher.

Außerdem fuhr ich leidenschaftlich gerne Freestyle-BMX und ich kann getrost sagen, dass mich diese beiden Bewegungen bis heute geprägt haben. Nach der Schule ging ich entweder biken oder mit meinen Kumpels tanzen, bis mein Körper nicht mehr konnte. Am Wochenende machte ich meistens beides – tagsüber BMXen und abends tanzen. Hip-Hop dominierte mein Leben als Teenager und ich hatte das große Glück, direkt neben dem 19. Bezirk von Paris zu leben, wo sich damals alles abspielte.

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Später bist Du dann aber nach Brooklyn gezogen – ebenfalls eine Hip-Hop-Hochburg. Wie kam es dazu?

Ja, das war 2006. Ich brauchte etwas Veränderung in meinem Leben und irgendwie hatte New York immer einen besonderen Platz in meinem Herzen eingenommen. Irgendwann wollte ich einmal hier leben. Meine Karriere in Frankreich hatte einen Punkt erreicht, an dem ich mich nicht weiter entwickeln konnte. Also wollte ich mich neu positionieren. Ich arbeitete vorwiegend in der Urban Music Branche, was meiner Karriere als Fotograf und Regisseur zunächst erst mal im Wege stand.

Wie kamst Du denn zur Fotografie?

Nun ja, ehrlich gesagt als kompletter Autodidakt. Ich habe nie irgendwelche Kurse besucht oder einem Fotografen assistiert. Daher bin ich auch mit einigen Wissenslücken in die Sache eingestiegen. Aber ich hatte großes Glück, da ich damals bereits Artikel für ein französisches BMX-Magazin namens Bicross Magazine schrieb. Und der Verlag stellte mir kostenlos Filme zur Verfügung und zahlte auch für kostspielige Sachen wie Entwicklung und Abzüge. Ich fing 1991 mit der Fotografie an und nur wenige Monate später erschienen bereits meine ersten Bilder in internationalen BMX Magazinen. Ab 1994 wurde Musik zur dominanten Größe in meiner Karriere und ich konzentrierte mich vorwiegend auf Foto-Shoots mit Künstlern für die Presse und Platten-Cover.

Als Fotograf hebt man sich durch sein Auge ab. Man kann die besten Kameras der Welt haben, aber das macht einen nicht unbedingt zum guten Fotografen.

Wie würdest Du Deinen persönlichen Ansatz als Fotograf beschreiben?

Es ist schwer, meinen Ansatz genau zu definieren. Aber ich sage immer wieder, dass man sich als Fotograf durch sein Auge abhebt. Man kann die besten Kameras der Welt haben, aber das macht einen nicht unbedingt zum guten Fotografen. Vielmehr ist es die Interpretation eines Motivs, die dich von anderen unterscheidet. Es geht darum, seinen eigenen Stil zu prägen und diesen zum Markenzeichen zu machen. Das erfordert jedoch Zeit.

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Apropos „Arbeit“: Was ist Fotografie für Dich – eher Kunst oder Handwerk?

 Leidenschaft! Ich bin unendlich dankbar für das Privileg, einen Beruf auszuüben, dem ich mit Leidenschaft nachgehe. Natürlich ist es eine Form von Kunst, aber derartige Aufmerksamkeit bekommt man erst im Laufe der Jahre, wenn einige deiner Fotos als „Ikonen“ gelten.

Ich sehe mich sehr gern als Zeuge des Geschehens, als eine Art Voyeur.

Was ist für Dich die größte Inspiration bei der Fotografie?

Leben, Leute und Ästhetik. Ich sehe mich sehr gern als Zeuge des Geschehens, als eine Art Voyeur. Hinter jedem Menschen steht eine Geschichte, die es zu erzählen gilt. Daher liebe ich Portraits. Aber hinter jedem Menschen steht auch eine Umgebung, weshalb ich mich auch zur „Lifestyle“-Fotografie hingezogen fühle. Mit einem einzigen Bild kann man so unheimlich viel erzählen.

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Und was findest Du das Schlimmste an Deinem Beruf?

Ich würde sagen, als Freelance-Fotograf nicht zu wissen, ob man Morgen wieder Arbeit hat. Aber darin liegt auch die großartige Herausforderung.

Die aktuelle Kampagne „The CAZAL Job“ ist Dein fünfter Foto-Shoot für CAZAL. Was ist für Dich das Besondere am Fotografieren von Brillen und Sonnenbrillen?

Genau genommen arbeite ich noch länger mit CAZAL zusammen, denn ich habe auch die Lookbooks ihrer Korrekturbrillen fotografiert. Unsere Zusammenarbeit begann im Jahr 2013, als ich den Auftrag zum Shoot der kompletten Legends-Kollektion erhielt. Anschließend machte ich ein Shooting mit Spike Lee, dann eins in Miami, Paris und jetzt das hier.

Die meisten CAZAL-Brillen in meiner Sammlung sind in Deutschland hergestellt worden. Für mich war CAZAL schon immer Teil der Hip-Hop-Kultur.

Fühlst Du Dich auch persönlich mit CAZAL verbunden?

Unbedingt. Ich sammele bereits seit den späten Achtzigern CAZAL-Brillen. Mein erstes Paar war eine braune »607«, die mir ein Freund aus New York mitgebracht hatte. Leider verlor ich die Brille dann schnell bei einem Dance Battle. Was habe ich mich geärgert! Aber eines Tages hatte ich genug Geld verdient, um mir das Sammeln leisten zu können und ich fand auch wieder ein Modell in Braun. Die meisten CAZAL-Brillen in meiner Sammlung sind in Deutschland hergestellt worden. Für mich war CAZAL schon immer Teil der Hip-Hop-Kultur. In jungen Jahren habe ich viele Künstler mit den Brillen gesehen. Also gehörte das für mich immer zusammen, bis ich dann mehr über die Marke und die Arbeit von Cari Zalloni lernte.

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Wie hast Du Dich dann zum festen „Kampagnenfotograf“ entwickelt?

Keine Ahnung! Aber ich glaube, wir haben ein tolles Verhältnis aufgebaut. Es ist echt schwer, sich das Vertrauen der Marke zu verdienen. Aber sie wissen genau, wie sehr ich hinter dem Label stehe und sie glauben an meine künstlerische Vision. Für mich ist die Zusammenarbeit echt eine Ehre.

Findest Du es denn wichtig, als Fotograf eine persönliche Verbindung zu den Produkten zu haben, die Du ablichtest?

Nicht unbedingt, aber es hilft auf jeden Fall. Ich shoote auch Fotos und Kampagnen für andere Marken, aber CAZAL wird immer etwas Besonderes für mich bleiben. Einmal hatte ich die Gelegenheit, die Firmenzentrale in Passau zu besuchen, und dabei merkten sie zum ersten Mal, wie viel ich über ihre Marke wusste.

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Wie ist die Idee zu „The CAZAL Job“ entstanden?

 Die Zusammenarbeit mit CAZAL läuft vorwiegend über direkte Kommunikation, was nicht immer leicht ist, da alle in Deutschland sitzen und ich in New York bin. Wir machen viel Brainstorming mit dem Team, vor allem mit Beate Obersteiner und Sven Christ. Sie bringen immer hunderte Ideen und Richtungen mit ein und ich werfe dann immer alles über den Haufen, bis wir uns auf ein starkes Konzept einigen. Sven gibt die kreative Richtung vor und ich entwickle die Optik und Details.

Aber der wichtigste Aspekt bei der Arbeit besteht darin, genau das zu bewahren und weiterzuführen, was Cari Zalloni selbst gestaltet hätte. Genau das ist die besondere Herausforderung. Wann immer wir können, beziehen wir uns mit dezenten Hinweisen auf Kampagnen aus alten Zeiten. Das Konzept zu „The CAZAL Job“ entstand bei einem Meeting mit dem legendären Breakdancer Crazy Legs von der Rock Steady Crew. Ich glaube, er traf sich mit einem amerikanischen Handelsvertreter von CAZAL, der ein Foto auf Instagram postete. Darauf haben Sven und ich sofort reagiert. Das Schwere an der Kampagne war, eine Story zu entwickeln, die nicht sofort in Klischees verfällt und diese „Old School“ Ästhetik aufgreift, die der Marke so oft anhängt. CAZAL ist nämlich auch eine zeitgemäße Brillenmarke, die sich mit der Zeit entwickelt hat.

Der Titel erinnert etwas an den Gangsterfilm „The Italian Job“. Welche Story erzählt die Bildsprache der Kampagne?

Als Grundidee wollten wir mit der »002« spielen. Das Team von CAZAL hat einige bisher noch nie gesehene Skizzen von Cari entdeckt. Das sind bislang nicht veröffentlichte Modelle, die CAZAL jetzt in limitierten Auflagen produzieren lässt. Die »001« kam bereits letztes Jahr und in diesem Jahr soll die »002« folgen. Und da wir bereits Crazy Legs als eines der Models hatten, wollte Sven auch noch meinen Kumpel Michael „Kaves“ McLeer vor die Kamera holen. Kaves ist ein legendärer Graffiti-Sprüher und Künstler aus den frühen Achtzigern. Weiterhin ist er der Gründer der legendären Rapgruppe Lordz of Brooklyn und da diese für ihre italienischen Wurzeln bekannt ist, kam Sven auf die Idee einer Mafia-artigen Story. Das Konzept war ganz einfach: Crazy Legs heuert ein bildhübsches Model an, eine super geheime Brille – die »002« – von der italienischen Mafia zu klauen. Der visuelle Stil sollte gleichzeitig schick und edel sein, aber auch von der New Yorker Szene inspiriert sein.

Da wir für die Story sehr ausdrucksstarke Charaktere brauchten, holte Kaves noch seinen Freund, den berühmten Schauspieler Max Casella an Bord. Er hat sofort ohne zu zögern zugesagt, auch weil er früher selbst als Breakdancer unterwegs war und einen Heidenspaß bei der Sache hatte. Am Set herrschte echt extrem gute Stimmung während der Aufnahmen. Die Jungs waren alle zum totlachen. Und da wir auch eine hübsche Frau und einen zeitgemäßen jungen Mann für die Poster brauchten, stellte ich noch zwei professionelle Models an.

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Warum habt Ihr die Szene im Studio geshootet?

Ich hatte ja bereits einige Lookbooks auf den Straßen von New York geschossen und ich wollte mich nicht wiederholen. Stattdessen wollte ich die Stimmung von New York mit einigen gezielt platzierten Objekten ins Studio übertragen.

Etwas genauer bitte.

Ich bin aufgewachsen mit Filmen wie „West Side Story“, „Es war einmal in Amerika“ sowie vielen Fernsehserien, die in den Siebzigern und Achtzigern in New York gedreht wurden. Und als zentrales Element hatte ich sofort einen Zaun mit Stacheldraht vor Augen. Den sieht man überall in der Stadt. Hydranten gehören für mich ebenfalls zum Stadtbild. Und da wir Crazy Legs natürlich auch Gelegenheit zum Tanzen geben mussten, holte ich ein Stück klassischen Linoleumboden ins Studio und brachte meine eigene Sharp GF-777 Boom Box mit.

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Und der Rolls Royce war auch Deiner?

 Na klar! [Lacht] Nein, aber schön wär’s…

Ich mag weiterhin Cartier … Aber CAZAL ist und bleibt meine Nummer Eins.

Zum Abschluss fast schon eine rhetorische Frage: Was ist Deine Lieblingsbrillenmarke?

CAZAL natürlich. Ich bin ein riesiger Fan der 600er Serie und sammele jetzt seit 18 Jahren. Meine persönliche Kollektion umfasst sehr seltene Stücke, vor allem weil ich mich vorwiegend auf Brillen in sehr kleinen Größen konzentriere. Damals wurden alle Modelle in mindestens zwei Größen produziert. Und da ich ein eher schmales Gesicht habe, sahen einige meiner Lieblingsmodelle viel zu groß für mich aus. Mein besonderer Schatz ist die »642« in marmoriertem Grau. Ich mag weiterhin Cartier und habe mich vor kurzem auch in Hilton verschossen, eine italienische Vintage-Marke… Aber CAZAL ist und bleibt meine Nummer Eins.

Vielen Dank für das Interview, Armen.

Mehr Infos unter: www.cazal-eyewear.com.

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