Good Style Comes from Within

INSTYLE FASHION DIRECTOR JAN-MICHAEL QUAMMIE

Der persönliche Modestil von Jan-Michael Quammie ist schwer zu definieren. Die gebürtige New Yorkerin trägt ihre eigene Mischung aus High Fashion mit Street Style, poppigen Farben mit dezenter Eleganz sowie lauten Statement Pieces mit eher schlichten Accessoires. Der daraus entstehende Look ist aber stets brandaktuell, denn als Fashion Director bei der deutschen Ausgabe des InStyle Magazines hat Jan-Michael Quammie einen engen Draht zu den neusten Trends im internationalen Fashion-Business. Dabei dürfen Brillen natürlich nicht fehlen, wie Jan-Michael Quammie hier verrät.

 

Dein Vorname Jan Michael klingt, als hätten sich Deine Eltern eher einen Sohn als eine Tochter gewünscht.

Also bei uns in Amerika ist „Jan“ ein Frauenname, nicht unbedingt einer für Männer. Und Michael ist der Vorname meines Vaters, der mich ganz einfach nach ihm benennen wollte.

Wo genau in den USA kommst Du her?

Ich komme aus Brooklyn, New York.

Braucht man in der Rolle als Fashion Director von InStyle Magazine selbst einen starken Bezug zur Mode?

Ja, auf jeden Fall. Als Fashion Director spielt sich mein ganzes Leben in unmittelbarer Verbindung zu Fashion ab. Ich muss mich in allen Ecken nach neuen Inspirationen umschauen und diese Infos dann in Storys und Inhalte fürs Magazin umsetzen. Unser Magazin erscheint monatlich, also ist die Frequenz der Inhalte unheimlich hoch und es gibt jede Menge zu sehen. Aber ich bin auch persönlich immer auf der Suche nach neuen Inspirationen im Modebereich.

Wie bist Du ursprünglich ins Modebusiness gekommen?

Mode hat mich schon immer interessiert. Mit 13 oder 14 habe ich meine eigenen Modedesigns gezeichnet und besuchte eine Schule für Modedesign. Damals wollte ich nur eins: Entweder Model oder Designerin werden. Beides habe ich ausprobiert, ich entschloss mich aber, eher hinter den Kulissen zu arbeiten. Erst als ich etwas älter war, wurde ich auf Berufe wie „Fashion Buyer“ – also Einkäufer – aufmerksam. Das spielt sich noch mehr im Hintergrund ab, also war es für mich perfekt.

Welche Grundvoraussetzungen braucht man als Fashion Buyer?

Ich bin gut in Mathe, habe ein geschultes Auge für Trends und kann vielversprechende neue Designer sofort erkennen. Vor zehn Jahren begann meine Karriere mit einem Job als Assistant Buyer beim Modekaufhaus Saks Fifth Avenue, wo ich das Handwerk eines Einkäufers vermittelt bekommen habe. Das habe ich dann den Großteil meiner Karriere gemacht und dabei oft zwischen Groß- und Einzelhandel gewechselt. Ich war Einkäuferin für Christian Dior, Saks, Mytheresa und Net-a-Porter in China. Später fing ich dann als Stylistin an, weil meine Freunde für tolle Magazine in China und New York gearbeitet haben. Sie mochten meinen persönlichen Stil und luden mich als Stylistin zu Shoots für Vogue China und Elle China aufs Set. Mir ist das so ziemlich in den Schoß gefallen und mein Portfolio füllte sich fast von selbst mit neuen Jobs.

Und welche Rolle spielen diese Erfahrungen in Deinem aktuellen Job?

Meine aktuelle Position als Fashion Director ist eine Kombination aus Styling und Fashion Buying. Denn beide vermitteln den Leserinnen die gleiche Botschaft: Was sie anziehen sollen und wie sie sich am besten stylen.

Wird es nicht langweilig, jeden Tag so eng mit Fashion zu arbeiten?

Mir wird es nicht langweilig, weil es mich echt interessiert. Und ich bin echt dankbar, weil eine Millionen Leute da draußen sich um meinen Job reißen würden. Das weiß ich zu schätzen, auch wenn ich reisen muss oder müde bin. Ich finde es dauerhaft inspirierend, was auch wichtig ist. Immerhin leite ich ein Team von sieben Leuten, denen ich den gewissen Funken vermitteln muss.

 Apropos Funken, was ist für Dich das Aufregendste am Fashion-Business?

Wenn ich etwas von Anfang bis Ende entwickeln und begleiten kann, von der Idee bis zum fertigen Projekt. In meiner Arbeit als Stylistin bin ich für alle verantwortlich: Ich wähle die Models aus, den Fotografen, die Location – ich schaffe die gesamte Stimmung. Und wenn sich eine Idee dann mit Leben füllt, ist das eine große Genugtuung. Auch für alle anderen, die an so etwas mitwirken. Denn letztendlich wird es Dank eines guten Teams zur Realität.

Was sind aus Deiner Sicht die wichtigsten Modetrends im Moment?

Im Frühjahr/Sommer 2017 dreht sich alles um Over-Sized-Looks, weite Blusen und de-konstruierte Kleidung. Maskuline Styles für Damen, inspiriert durch Herren-Jeans und Anzüge. Sneaker sind sehr stark, vor allem Old-School-Modelle von Nike oder adidas. Im Trend liegt der Mix aus High Fashion und Street Wear, etwa die Collab von Louis Vuitton und Supreme. Ebenso die Mischung aus sportiver Kleidung mit High-End, etwa Trainingsanzug mit Stöckelschuhen, um der Garderobe einen technischen Touch zu verleihen.

Welche Designer sind Deine persönlichen Favoriten?

Céline ist einer meiner größten Favoriten. Und ich bin begeistert davon, was J.W. Anderson bei Loewe macht. Was die Newcomer angeht, ist Y/Project sehr frisch und modern. Ich bewundere weiterhin Maison Margiela, Dries Van Noten und ACNE.

Und welche Styles und Labels bewunderst Du im Brillenbereich?

Ich bin ein großer Fan von Oversized- und Cat Eyes Brillen. Die Modelle von Céline sind traumhaft, aber leider nicht mehr in Serie.

Wie lautet Deine persönliche Definition von gutem Style?

Guter Style ist, worauf Du gerade Lust hast. Guter Style kommt von Innen. Er ist nichts, was man bewusst schaffen kann. Man kann Style auch nicht lernen. Entweder man hat Style, oder man hat ihn nicht. Style beeinflusst den gesamten Auftritt, das ganze Selbstbewusstsein. Leute mit Style müssen sich nicht groß anstrengen. Sie können einfach ein weißes T-Shirt mit Jeans und Blazer kombinieren und unglaublich aussehen, weil sie selbstsicher sind. Leute ohne Style meinen immer, sie müssten viel Arbeit in ihren Look stecken, sehen aber meistens schlimm aus.

 Herzlichen Dank für das Interview, Jan-Michael.

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