The Philosophy of a Living Fashion Design Legend

YOHJI YAMAMOTO

The Philosophy of a Living Fashion Design Legend
Mode übt seit jeher einen spürbaren Einfluss auf das Brillendesign aus. Genau betrachtet haben sich beide Bereiche parallel entwickelt: In den letzten Jahrzehnten wurde aus der einfachen Sehhilfe ein modisches Accessoire und Fashion Statement. Die Vielfalt der Brillendesigns steht der Vielfalt der Kleidungsstücke kaum nach. Dabei schaffen es nach wie vor nur wenige Designer, sowohl im High Fashion als auch im Brillendesign für neue Trends zu sorgen. Zu denjenigen, die in beiden Welten unverkennbar ihren Fingerabdruck hinterlassen, gehört ohne Zweifel das japanische Label YOHJI YAMAMOTO.

Das liegt nicht nur an der enorm charismatischen Ausstrahlung des gleichnamigen Designers Yohji Yamamoto, seines Zeichens einer der wahren Popstars des Fashion-Designs, sondern auch an seiner sehr konsequenten modischen Ausrichtung, die auf der Suche nach Ideen den Blick nach Innen zu wenden pflegt. Die Styles und Schnittmuster von yohji yamamoto folgen einer ganz klaren Philosophie und universellen Prinzipien.
Auch im Design seiner Brillen verfolgt Yamamoto mit derselben Konsequenz diese Prinzipien. „Deconstruction of the essential and reconstruction of the beauty“, lautet eines davon.
Was Materialien und Farbgebung der Brillenrahmen angeht,

sieht man im Brillendesign nur selten eine so konsequente Adaption der Mode wie bei dem japanischen Label.
Wir trafen Yamamoto-san nach seiner Fashionshow in Paris zum Design Talk. Während er geduldig für hunderte Fotos posiert, gewährt er einen Einblick in seinen Schaffensprozess. Uns wird schnell klar, dass wir es mit einem einmaligen Individuum zu tun haben, einer Ausnahmepersönlichkeit, die ihr Umfeld mit Kreativität und Spiritualität füllt. Wir spüren aber auch, dass der 73-Jährige nach höheren Zielen strebt und von universellen Wertvorstellungen geleitet wird. Was genau das ist, sagt uns der Großmeister im exklusiven SPECTR-Interview.

»YY3013«

Manchmal liefert die Sonnenbrillenkollektion die größte Inspirationsquelle für die Korrektionsbrillen. Die »YY3013« ist das Pendant zur Sonnenbrille »YY7010«. Dieses Modell war dermaßen erfolgreich – Yamamoto-san hat sie persönlich für seine Modenschau der FS2017 Kollektion gewählt – dass der Meister sie auch als Korrektionsmodell entworfen hat.

»YY3014«

Das Titanmodell »YY3014« verkörpert Minimalismus in reinster Form. Es verströmt Weiblichkeit. Die delikate Kurvenform um die Nasenbrücke sowie die geradlinige Augenbrauen schaffen Sinnlichkeit und Mysterium. Ein Beispiel dafür, dass die visuelle Ästhetik von yohji yamamoto oft am lautesten spricht, wenn sie nichts sagt.

Yamamoto-san, zuerst einmal herzlichen Dank für Ihr Interview mit SPECTR. Sie haben schon oft gesagt, dass Sie sich nicht als Modedesigner, sondern eher als Schneider sehen. 

Ja, ich sehe mich selbst als Schneider, weil ich Kleidung herstellen möchte, in der die Menschen leben und alt werden können. Ich glaube, dass der Schneiderkunst eine „Fürsorge für das Leben anderer“ zugrunde liegt.

Was sind dieser Philosophie zufolge Ihre wichtigen Inspirationsquellen?

Frauen. Von ihnen lerne ich die Schönheit der Flüchtigkeit. Wenn jemand an einem vorbeigeht, eine Person, die einfach verschwindet.

Ihre Designphilosophie in einem Wort?

Unvollkommenheit.

Und worin liegt für Sie das Wesen der Ästhetik?

In unendlicher Unzufriedenheit.

Mode gilt oft als Ausdruck von Individualität, als persönliche Angelegenheit. Gibt es so etwas wie eine „Formel des guten Geschmacks“?

Ich entwerfe meine Kleider immer von hinten, nicht von vorne. Dabei interessieren mich keine vorgefertigten Harmonie-Prinzipien, die mittels einer Formel berechnet werden könnten.

»YY5019 «

Die »YY5019« ist ein Loblied auf flüssige Formen. Ähnlich wie die fließenden Konturen eines eleganten Kimonos schneiden wir einzelne Lagen aus der Oberfläche heraus, um eine strukturierte, stoffähnliche Oberfläche zu erzeugen. Jede einzelne Faser besteht aus starken, mysteriösen Grundfarben wie mattem Schwarz, Braun und Marineblau, ergänzt durch matte Verglasung.

»YY7013«

Dieses Modell erzeugt eine optische Illusion. Die einteilige Verglasung zeigt die Form einer Azetatbrille, während das runde Metallgestell stolz auf dem Glas sitzt, als sei es von Innen hervorgekommen. Die Bügel stoßen durch die Frontpartie und verstärken den ‚Rahmen-im-Rahmen-Effekt‘.

Was ich für schön halte, hat immer etwas Unerwartetes. Was das Bekleidungsdesign angeht, mag ich es sehr, wenn zwischen dem Körper und dem Stoff etwas Luft ist. Wir nennen es „Ma“, eine typisch japanische Ästhetik.

Neben diesen Prinzipien prägt eine sehr zurückgenommene Farbpalette den Look von yohji yamamoto. Gilt das auch für Ihre Brillenkollektion?

Ja, die Farbpalette der Brillenkollektion wurde eigens entworfen und orientiert sich an unserer Bekleidung: dunkle, nüchterne Töne sehen auf den ersten Blick wie Schwarz aus, erweisen sich bei genauerem Hinsehen jedoch als aus mehreren Schichten bestehende dunkle Farbvarianten, die gemeinsam mehr Farbkomplexität liefern als Schwarz alleine.

Was fasziniert Sie gerade so an der Farbe Schwarz?

Schwarz ist gleichzeitig bescheiden und arrogant. Schwarz ist einfach und entspannt – aber auch geheimnisvoll. Schwarz kann das Licht schlucken oder eine Aussage treffen wie: „Ich lass’ dich in Ruhe, du lässt mich in Ruhe!“

Mit welchen Stoffen spielen Sie in der Mode am liebsten?

Stoffe sind alles. Ich sage meinen Schneidern oft: „Hört einfach auf das Material. Was will es Euch sagen? Wartet einfach. Wahrscheinlich will Euch das Material etwas beibringen, also müsst Ihr lernen, zu warten und zuzuhören.“

Und wie setzen Sie diesen Ansatz im Brillendesign um?

In unserer aktuellen Sonnenbrillenkollektion experimentieren wir mit textilnahen Oberflächen auf Azetat, wie z. B. bei der »YY5019«. Hier schneiden wir einzelne Lagen aus dem Rahmen heraus, wodurch eine gemusterte Oberfläche mit Ähnlichkeit zu berühmten japanischen Stoffen entsteht.

Wie lautet die Designphilosophie der Brillenkollektion?

Der Ausgangspunkt sind Dimensionen wie „Dramatik, Avantgarde oder Intelligenz“. Aber wir lassen uns in der Brillenkollektion nicht von den flüchtigen Trends der Modewelt beeinflussen, sondern von Linienführung gemäß traditionell-japanischer Zeichenkunst.

»YY5018«

Die »YY5018« ist eine elegante Brille im Oversize-Look. Filigrane, fast unsichtbare Nähte sorgen für einen geheimnisvollen Look – nicht von dieser Welt. Hier wird Spitze mit Schwarz und Gold verwoben, das daraus entstehende Muster erinnert an handgemachte Edelstoffe aus Japan.

»YY1032«

Dieses Modell verbindet Kurven mit perfekt geraden Linien. Kontraste aus runden Augenformen und flachen Augenbrauenpartien sind typisch für yohji yamamoto’s Stil. Eine feine Schicht laminiertes Azetat verläuft bis in die Gläser und die untere Brücke weist einen Einschnitt auf. Der Höhepunkt von Yohjis Avantgarde-Stil.

Was sind Ihre Lieblingsstücke in der Kollektion?

Unter den Korrektionsbrillen ist die »YY1032« wegen ihrer Rahmenform mein Favorit, ebenso die »YY3014« wegen ihrer femininen Unkompliziertheit. Die erste verbindet Kurven mit perfekt geraden Linien, die andere sorgt mit ihrem Titan-Rahmen für einen geheimnisvollen Look. Unter den Sonnenbrillen ist die »YY7013« mein Lieblingsmodell. Auf dem One-Piece Glas mit der Silhouette eines Azetat-Modells sitzt stolz ein runder Metallrahmen – so entsteht ein „Rahmen-im-Rahmen“-Effekt.

Was sind die Gemeinsamkeiten in Ihren Mode- und Brillenkollektionen?

Eines der Hauptmerkmale meiner Bekleidung ist der fehlende Unterschied zwischen Herren- und Damenmodellen. Und das gilt auch für unsere Brillen.

Weshalb?

Wir haben vielleicht andere Körper, aber im Geist, im Bewusstsein und in der Seele sind wir gleich.

Mr. Yamamoto. Danke für das inspirierende Interview.

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