MODO – The Global Perspective

In New York with Giovanni Lo Faro

 

Text: Dirk Vogel

Photos: Holger von Krosigk

Stills: Raphael Schmitz

Der Aufstieg des New Yorker Labels MODO ist schon bemerkenswert. Im Jahr 1990 von Unternehmer und Schöngeist Alessandro Lanaro gegründet, betreibt das designorientierte Label inzwischen Büros im New Yorker Soho, in Mailand und Stockholm. Die beiden Hausmarken MODO und ECO sind mittlerweile in 50 Ländern erhältlich – zusammen mit den kleinen, aber feinen Labels DEREK LAM, JASON WU und 7 FOR ALL MANKIND – und begeistern VIPs wie Leonardo DiCaprio, Sheryl Crow, Reese Witherspoon und Jessica Alba.

 

Trotz dieser Erfolgsgeschichte hat das Label keinesfalls die Bodenhaftung verloren und verpflichtet sich weiterhin höchsten Standards in Sachen Handwerkskunst und fortschrittlichem Design sowie wohltätigen Zwecken. Diese Bodennähe bemerken wir auch sofort beim Treffen mit dem Managing Director von MODO, Giovanni Lo Faro, in der schicken Firmenzentrale im New Yorker Stadtteil Soho. „Wir wollen keinesfalls eine Marke sein, die komplett über allen Dingen steht, vielmehr wollen wir im täglichen Leben der Menschen eine Rolle spielen. Klar, wir sind designorientiert und mögen exklusive Dinge, aber wir sind keinesfalls zu geil für diese Welt“, sagt der gebürtige Norditaliener, der im Jahr 2006 als Partner bei MODO an Bord kam und nun zwischen Mailand und New York pendelnd in allen Bereichen des Unternehmens involviert ist. Im EYEWEAR Interview spricht der sympathische Italiener über MODOs Engagement für Umwelt und soziale Initiativen, Innovationen mit Gebrauchswert sowie Design, das leise „flüstert“.  

 

Hallo Giovanni, die Bezeichnung „Managing Director“ klingt etwas abstrakt, vor allem in einem international aufgestellten Unternehmen wie MODO. Was genau ist Deine Aufgabe?

Ich bin als Partner am Unternehmen beteiligt und in allen Geschäftsbereichen aktiv, vor allem bei der Expansion außerhalb von Nordamerika. Ich traf MODO-Gründer Alessandro Lanaro im Jahr 2003, als ich gerade in Mailand als Berater für Start-Ups arbeitete und gemeinsam mit Freunden einige Projekte im Möbeldesign entwickelte. Als Alessandro mir damals von seinen Plänen zur internationalen Erweiterung von MODO berichtete, fand ich das auf Anhieb spannend. Wir hielten den Kontakt und nachdem ich meinen Masters in BWL in Madrid absolviert hatte, kam ich 2006 an Bord. Zwei Jahre später eröffneten wir das Büro in Mailand. Ich bin stark in die Themen Markenführung und Marketing eingebunden und arbeite demzufolge auch eng mit Alessandro und dem Designteam zusammen. Obwohl ich von Haus aus kein Designer bin, habe ich mir immer eine Beziehung zu Design in meinem Leben gewünscht – und so kam ich auch zu MODO.

Stichwort Design: Wann hast Du zum ersten Mal die wichtige Rolle von Design bei einem Produkt und Objekt wahrgenommen?

Eigentlich schon als sehr kleines Kind. Bereits mit drei Jahren kannte ich die verschiedenen Arten von Autos und Marken und konnte sie meinem Vater und Opa zeigen. Das war meine erste Berührung mit Design und es blieb mein ganzes Leben über eine private Leidenschaft.

Inzwischen hat Dir die private Leidenschaft einen exklusiven Job mit schickem Büro in New York beschert. Lebst Du hauptsächlich hier im Big Apple?

Offiziell pendele ich zwischen New York und Mailand, aber das hängt komplett von der Saison ab. Meine Familie ist kürzlich auch hierher gezogen, also verbringen wir mehr Zeit hier. Ich fühle mich aber fest zu beiden Städten verbunden, immerhin bin ich zwei Stunden südlich von Mailand an der Küste geboren. Also war Mailand auch die logische Wahl als Standort, um die Marke in Europa auszubauen.

Jetzt hat MODO aber auch ein Büro in Stockholm. Wie kam es dazu?

Die drei Standorte sind Teil der Entwicklung der Marke und meiner Meinung nach klarer Wettbewerbsvorteil. Wir haben das Designbüro in Stockholm eröffnet, weil Alessandro nach 25 Jahren in New York mit seiner Familie dorthin gezogen ist. Seine Frau ist Schwedin und sie wollten, dass die Kinder auch in Europa aufwachsen. Gleichzeitig sind die drei Städte auch stark mit Design verbunden, das spüren wir jeden Tag. Wir sind beide Unternehmer und Alessandro noch dazu ein Erfinder. Und indem wir uns zwischen drei Städten mit sehr tiefgreifenden Designtraditionen bewegen, haben wir eine sehr spontane Verbindung zu verschiedenen Einflüssen.

Da kommen bestimmt einige Bonusmeilen zusammen bei all den Bürobesuchen und Messen

Ja, wir reisen sehr viel, was oft anstrengend ist und Zeit und Energie kostet. Aber gleichzeitig atmen wir die frische Luft und Inspiration in diesen drei Metropolen mit sehr aktiven Designszenen. Wir haben klare Vorteile gegenüber anderen Unternehmen, indem wir unmittelbar mit neuen Trends und Einflüssen in Berührung kommen.

Apropos Einflüsse, wann und wo fühlst Du Dich inspiriert?

Jeden Tag! Hier im Büro in Soho sind wir im gleichen Gebäude mit einer der größten Model-Agenturen in New York. Wir sehen allein bei uns im Gebäude jeden Tag viele hübsche Models und wie sie sich kleiden, so dass wir eine gute Vorstellung darüber bekommen, was die nächsten Saisons über modisch passieren wird. So ist das auch in Mailand und Stockholm, wo wir jeweils in der Innenstadt sitzen und direkt das Neuste in Sachen Kreativität und Design mitbekommen. Weiterhin haben alle drei Städte eine Tradition für eher minimalistisches Design – also genau unsere Linie hier bei MODO.

Gutes Stichwort! Mit Blick auf die Firmengeschichte – was macht MODO zu dem, was es heute ist?

Unser Grundkonzept besteht seit jeher aus funktionellem, minimalistischem Design. Style, der immer mit Funktion verbunden ist, aber nicht unbedingt zu weit darüber hinaus geht. Wir folgen immer noch sehr eng dem ursprünglichen Claim von MODO aus dem Jahr 1990: „Eyewear for the Individual“.

Und wie unterscheidet Euch diese Philosophie zum Beispiel von einer eher klassischen Modemarke?

Bei einer Modemarke geht es eher darum, Teil einer Gruppe zu sein, die einen gewissen Stil prägt. Wir sind hingegen eine Marke, in der jeder seinen eigenen individuellen Stil definieren und sich über unsere Brillen ausdrücken kann, wobei die einzigartige Verbindung von Style und Funktionalität im Mittelpunkt steht. Der Ansatz ist sehr minimalistisch, inspiriert durch Architektur die immer zuerst einen Zweck erfüllen muss, bevor es ans Zierwerk geht. Unsere Brillen sollen einfach zu tragen sein und dürfen nicht unnahbar wirken. Das stellen wir auch in unserer Kommunikation so heraus.

In letzter Zeit setzt Ihr auch verstärkt auf Innovationen und patentierte Technologien, etwa die Paper Thin Kollektion aus Titan.

Forschung und Produktentwicklung sind tatsächlich die aktuellen Entwicklungssegmente unseres Unternehmens. Zu Anfang stand bei MODO vor allem ein sonst unerreichtes Qualitätsniveau bei erschwinglichen Preisen im Mittelpunkt. Ein modischer Ansatz für Leute mit individuellem Stil – nicht die Art von Coolness, die einem die Modebranche vorgibt, sondern Produkte mit bestmöglicher Qualität und Handwerkskunst, aus denen sich der Kunde seinen eigenen Mix bilden kann. Mit einem stärkeren Fokus in Richtung Produktentwicklung setzen wir die Konzentration auf klassische und traditionelle Formen fort, bringen aber auch Innovationen mit ein, um dem Kunden einen funktionalen Mehrwert zu bieten.

Also ist Paper Thin ein Auftakt für weitere Innovationen aus dem Hause MODO?

Bei Paper Thin haben wir gelernt, unseren Retro-Style mit fortschrittlicher Technologie zu mischen, und ein funktionelles Grundkonzept geschaffen – die Form, Farbe und Wärme eines Plastikgestells verbunden mit der Leichtigkeit und Flexibilität eines Metallgestells. MODO LAB und unsere Entwicklungsabteilung haben die Paper Thin Konstruktionen weiterentwickelt und neue Technologien vorangetrieben, etwa in der letzten Saison Metal Core Acetate (MCA), ein eher traditionell aussehender Azetatrahmen, jedoch mit High-Tech-Kern als Basis. Darin stecken mehrere Schichten aus hauchdünnem Plastik und ein Kern aus Metall im Inneren. Das Ergebnis ist der dünnste uns bekannte Azetatrahmen bei nur 2,8 mm Stärke anstatt der üblichen 4 mm – jedoch stabil genug, um nicht die Form zu verlieren.

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Paper-Thin »4404«

 

Dein aktuelles „Baby“ ist die VS1 Kollektion in Zusammenarbeit mit dem italienischen Industriedesigner Sommella Valerio. Wie kam es dazu?

Dabei handelt es sich um eine Capsule Collection mit leicht anderem Ansatz, da normale Collabos ja oft mit anderen Marken oder berühmten Leuten stattfinden. Valerio Sommella, seine Initialen sind verantwortlich für den Kollektionsnamen, hat zwar bereits mit bekannten Marken wie Alessi zusammengearbeitet, jedoch hat er noch nie Brillen entworfen. Aus diesem Grund hat er auch einen Blick über den Tellerrand unseres täglichen Umfelds hinaus. Wir haben ihn ermutigt, das Paper Thin Konzept zu nehmen und frei nach Laune damit zu spielen. Das Ergebnis ist eine Capsule Collection in klarem Einklang mit unserer Marken-DNA, aber mit starkem Statement, was die Farbwahl und Formsprache des Designs angeht.

Wie helft Ihr den Händlern, die Story der VS1 Kollektion dem Kunden zu vermitteln?

Über eine höchst selektive Vertriebsstrategie, bei der wir nur mit Top-Optikern und Boutiquen arbeiten. Trotz ihrer Besonderheit ist die Kollektion unverwechselbar MODO. Einige Modelle zeigen die Technik im Innern auf sehr subtile Weise, etwa das neue Modell 6605 mit einem Farbweg namens „Nude“, der das innere Metallgestell sanft zur Schau stellt. Nicht offensichtlich, eher leise „geflüstert“.

Also eher mit sanfter Hand?

Genau. Wir ziehen es eher vor, zu flüstern, als die Sachen von den Dächern zu schreien. Unser Design ist weniger aufdringlich, sondern auf dezenten Details aufgebaut. Wir ernten oft Kritik, dass wir zu sanft an die Sachen herangehen, aber wir halten das gerne so. Und wir glauben, dass die echten Kenner unter unseren Kunden das auch verstehen.

Anscheinend haben auch einige bekannte Promis Euren Ansatz verstanden. Kommen die eigentlich zu Euch, oder geht MODO auf sie zu?

Also, um nur zwei Namen zu nennen: Leonardo DiCaprio und Sheryl Crow haben beide für ihre Brillen bezahlt. Das macht uns sehr stolz, denn dahinter steckt ein ehrlicheres Commitment, als wenn sie geschenkte Brillen tragen würden. Aber natürlich verschenken auch wir gelegentlich Brillen an Celebrities, die gut zu unserer Philosophie passen.

Das muss ein tolles Gefühl sein. Abgesehen von den Produkten, verfolgt Ihr mit dem Unternehmen bekanntlich auch höhere Ziele?

Ja. Als wir unsere Marke ECO ins Leben gerufen haben, war der Leitsatz, für jede verkaufte Brille einen Baum zu pflanzen. Inzwischen haben wir weltweit über 1,5 Millionen Bäume gepflanzt, – eine Leistung, auf die wir stolz sind. Wir haben diese Denkweise auch umgesetzt in der MODO-Initiative Buy a Frame –  Give a Frame“, in deren Rahmen wir bereits mehrere Hunderttausend Brillen an Bedürftige verschenkt haben. Wir wollen damit nicht zu dick auftragen, aber wir finden es schon wichtig, für mehr in der Welt zu stehen als nur ein Geschäft. Wir wollen unseren Beitrag für eine spürbare Veränderung leisten.

Und als letzte Frage – was machst Du fünf Minuten nach diesem Interview?

Noch ein paar Projekte abklären, immerhin stecken wir in einer sehr hektischen Zeit mitten in der Saison und einer starken Wachstumsphase. Dann gehe ich meinen Sohn abholen. Wir genießen die Zeit außerhalb der Arbeit, wann immer wir können.

Danke für das Interview, Giovanni.

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VS1 »Stendahl« & VS1 »Vetra«

 

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