Editorial Issue 03

Was in dem Baguette-Motiv nicht mehr zu sehen ist: 1 Karabiner, 2 Seilrollen, 4 Stunden Photoshop, 8 Multishots, 10 Nylonschnüre, 13 Reepschnüre, 20 Tanker, 25 Haken, 100 psi Druckluft und 1.800 Ws Blitzpower:

Wenn die Sonne lacht, nimm Blende 8

Mit dieser alten Fotografenweisheit im Hinterkopf starteten wir vor einem Jahr die Mission „EYEWEAR – The Visionary Magazine“. Mit einer Portion Erfahrung in der Produktfotografie dachten wir, es muss doch ein Leichtes sein, Brillen hochwertig zu inszenieren. Aber eines haben wir recht schnell gelernt: Ganz so einfach ist es dann doch nicht. So lässt sich der filigrane, strukturlose Rahmen ebenso ungerne fotografieren wie die transparenten Gläser, die er fasst. Zudem brauchen zumindest Sonnenbrillen Licht von hinten, um richtig glücklich zu sein. Damit unsere Lieblings-Accessoires auch „full-bleed“ was her machen, schießen wir viele Fotos mit dem Makro-Objektiv. Bei satter Blitzunterstützung erfassen diese Objektive jedoch Dinge, die dem menschlichen Auge verborgen bleiben. Staub gehört immer dazu – egal wie „gut“ man die Brillen putzt. So surrt bei unseren Shootings nun permanent ein Druckluftkompressor. Kratzer, Dellen und andere Makro-Realitäten kann dieser jedoch nicht wegpusten. Da hilft nur ein Polishing auf ganz anderer Ebene. So geht nicht ein einziges Foto in unserem Magazin ohne digitale Bildbearbeitung in den Druck. Jede Brille wird am Computer gesäubert, korrigiert und einem speziellen Look unterworfen.
Dabei sind viele Bilder im Magazin ein Compose aus mehreren Einzelfotos. Nur durch Multishots können wir Brillen von allen Seiten gut ausleuchten, ohne dass störende Reflektionen hinterher auf den Gläsern zu sehen sind. Multishots sind auch dann notwendig, wenn wir Brillen bei Close Ups von vorne bis hinten scharf zeigen wollen. Und meistens wollen wir das – schließlich hat EYEWEAR auch einen Bildungsauftrag zu erfüllen.
Heute – ein Jahr später – gleicht unser Fotostudio einer Folterkammer. Hier liegen Hunderte von Brillen im Arsenal und warten darauf, uns quälen zu dürfen. Und wir? Wir genießen das Martyrium. Wie Freier auf dem Weg zu ihrer Domina laufen wir ins Studio zu unseren Brillen – stets auf der Suche nach Befriedigung unserer masochistischen Triebe. Immer auf der Suche nach einem neuen Szenario für die kleinen Quälgeister. Aber wir sind nicht alleine. Für die aktuelle Ausgabe unterstützten uns wieder einmal hochkarätige Fotografen, die in ihren traumhaft schönen Shootings die Brille zum Star empor heben.
Bei der Vielzahl der Shootings und der redaktionellen Features wundert es nicht, dass unsere Druckerei dieses Mal 16 Seiten mehr durch die Walzen jagen musste. Und dennoch konnten wir noch lange nicht alle Brillen zeigen. Diejenigen Modelle, die es in die aktuelle Ausgabe geschafft haben, dürfen sich dafür besonderer Popularität erfreuen. Schließlich erscheint das aktuelle Magazin auch in einer englischen Variante. Ermutigt haben uns zu diesem Schritt die vielen Anfragen aus dem Ausland, die sich EYEWEAR als ein internationales Magazin wünschen. Ob deutsch oder englisch – wir wünschen viel Spaß bei der Lektüre unserer aktuellen Ausgabe.
SD

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