IM INTERVIEW // TALKING ART MIT MASSADA EYEWEAR

Die Eyewear Brand Massada wird weltweit von Independent Optikern für ihren engen Bezug zur Kunst geschätzt. Von dem Designerpaar Kate Lupinsky und Chris Mastaler ins Leben gerufen, hat sich die Marke auf inspirierende, minimalistische Designs spezialisiert. Mit ihren Modellen stellen die Schweizer konventionelle Brillen-Shapes und Macharten immer wieder in Frage. Inspiriert von Naturwissenschaften, Mathematik, Geometrie sowie Emotionen, Erfahrungen, ästhetischen Impulsen, aber allen voran von der Welt der Kunst, arbeitet das Duo mit den besten Fachleuten weltweit zusammen. Laut Chris und Kate ist in all diesen Bereichen eine Form von Kunst wiederzufinden, die sie gekonnt in ihre Brillendesigns einfließen lassen.

Somit versteht sich Massada als eine Art-Eyewear Label.  Als Neudazugekommene unter den SPECTR Brands, wollten wir mehr über diesen spannenden Ansatz erfahren. Wir trafen Chris, um ihm ein paar Fragen zur seinem größten Projekt, die Brand MASSADA zu stellen und herauszufinden, welche Art von Kunst er am Spannendsten findet und wie sich das alles mit Brillendesign verbinden lässt. 

    1. Hallo Chris! Es dürfte wohl kaum ein zweites Brillenlabel geben, dass sich in seiner DNA so sehr der Kunst verschreibt wie MASSADA? Wie kommt’s?

Es kommt von Herzen. Es ist in unserem Blut. Das Interesse an Kunst war schon immer Teil unseres Lebens, und als MASSADA gegründet wurde, war es ein natürlicher Prozess, zu erforschen, was wir fühlen und wer wir sind. In MASSADA fließen also unsere Persönlichkeiten stark mit ein. Das Element Kunst ist kein bewusst eingesetzter Marketingbestandteil des Labels, viel eher, wie wir uns fühlen und was wir erleben.

    2. Wie sind – historisch betrachtet – Eure persönlichen Anknüpfungspunkte zur Kunst – also bevor Ihr MASSADA gegründet habt?

Es war kein linearer Prozess. Kurz gesagt: Je mehr wir die Welt betrachteten, desto mehr mussten wir feststellen, dass Kultur eines unserer wichtigsten Güter ist. Zu früheren kunstbezogenen Arbeiten und Inspirationen kamen Beobachtungen aus der Wirtschaftswelt und wie Kunst mit sozialen Netzwerken, Macht, Freizeit und Luxus verbunden war. Kate ist Designerin und hat Kunstgeschichte studiert. Ich habe mich für Wirtschaft, Kultur und politische Systeme in verschiedenen Ländern interessiert. Die Kunst ist eine unmittelbare Darstellung dessen. Außerdem lieben wir es einfach, Kunst zu sehen und zu erleben, sei es durch Museumsbesuche, Kunstmessen, das Lesen von Büchern und das Sammeln von Kunst. Wir sind fasziniert von unseren eigenen künstlerischen Projekten und dem Brillenlabel MASSADA. Wir sammeln auch gerne Kunstgegenstände wie Bücher, Lesen am Abend ist unser täglich Brot. Kunst ist der Akt der menschlichen Kreativität, die auf Fantasie und Wissen basiert. Die Mehrheit der großen Namen in der Kunst waren Personen mit einem soliden Bildungshintergrund und großer Neugierde.

Alles braucht seine Zeit, die Brille trägt dazu bei, Ziele zu erreichen.

3. Was genau fasziniert Euch an Kunst? Gibt es eine spezielle Richtung, der Ihr Euch besonders verbunden fühlt?

Der faszinierendste Aspekt der Kunst ist ihre emotionale Kraft, die sich aus der menschlichen Kreativität ergibt, und die Kunst, dies zu kommunizieren. Eine gegenseitige Kommunikation durch Ästhetik. Das Wichtigste ist der Kontext der Interaktion und nicht die Art der Kunst.

Unsere Interessen erstrecken sich auf alle Formen und Epochen der Kunst. Wir sind an einer Vielzahl von Kunstszenen interessiert: prähistorische Gemälde, Free Jazz, Kalligraphie, mittelalterliche Farbsymbolik, Ballett, Volkskunst, Architekturgeschichte, Comics, moderne Kunst des XXI. Jahrhunderts… Wichtig ist, dass all dies im jeweiligen historischen, politischen und sozioökonomischen Kontext wahrgenommen wird, da wir nicht um der Kunst willen an Kunst glauben.

4. Inwiefern seht Ihr Euch selbst als Teil einer globalen Kunstszene? Wie nehmt Ihr daran Teil?

Unser wichtigster Beitrag ist die Arbeit an einer Konvergenz von Ästhetisierung des Handels und Kommerzialisierung der Ästhetik im Brillendesign und Branding.

5. Was war Eure Motivation dafür, ein Independent Eyewear Label zu gründen?

Wir finden Gefallen am wissensbasierten, sozialen Aufstieg. Brillen sind für uns ein Symbol für Ehrgeiz, der auf Bildung und Beharrlichkeit basiert. Historisch gesehen wurde das Tragen von Brillen mit Intellekt in Verbindung gebracht. In der Kunstgeschichte werden Brillen von Adel, Kaisern, Kardinälen, Kaufleuten, also hohen Gesellschaftsschichten getragen. Chinesen tragen immer eine Brille in alten Gemälden. Als der sogenannte ‚Youth Cult‘ in der westlichen Welt explodierte, wurde das Tragen von Brillen als ein Handicap angesehen, ein Zwecks-Accessoire für ältere Menschen. Wir erleben gerade, dass sich das ändert. Die Brille wird seit Jahren immer trendiger.

Es ist klar, dass es einen Zusammenhang zwischen Reichtum und Bildung gibt. Intelligente Familien kümmern sich um die Zukunft ihrer Kinder und tun ihr Bestes, um ihnen die besten Bildungsmöglichkeiten zu bieten: Der Einsatz von künstlicher Beleuchtung und Computern trägt dazu bei, dass immer mehr Brillen verwendet werden. Wie damals wird die Brille wieder mit erfolgreichen Menschen assoziiert, die hart lernen und arbeiten, Wissen und Weisheit sammeln. Reichtum kommt nicht plötzlich, zumindest meistens nicht. Alles braucht seine Zeit, die Brille trägt dazu bei, diese Ziele zu erreichen. Für uns sind Brille, Intellektualität und Reichtum fast gleichbedeutend. Das ist eine unglaublich starke Aussage für eine brillenbezogene Marke. Wir würden kein anderes Objekt wählen, um mit Branding zu spielen.

Was du konsumierst, ist, wer du in der heutigen Welt bist.

6. Was hat die Brille überhaupt mit Kunst zu tun?

Wir glauben an die Verschmelzung von Kunst und Luxus. Die Brille ist ein Konsumobjekt, das in der Gesellschaft als Kommunikationsmittel zwischen einer Vielzahl von beteiligten Akteuren eine Rolle spielt. Brillen sind zu einer Botschaft an sich geworden. Was du konsumierst, ist, wer du in der heutigen Welt bist. Konsumismus als Ideologie ist so stark wie Religion. Gleiches gilt für Brillen. Eine Brille trägt ein emotionales Gewicht, das dem Betrachter auferlegt wird. Der Betrachter beurteilt eine Person je nach Brillenlabel, das er trägt in Verbindung mit der Botschaft dieser Marke. Es beeinflusst die Art und Weise, wie Menschen in sozialen Kreisen eingestuft werden. Je mehr elitär du bist, desto mehr versuchst du, dich abzuheben. Sobald die Avantgarde zum Mainstream wird, rückt die Elite in neue Bereiche, die den weniger Informierten unbekannt sind. Menschen können eine Menge Urteile fällen, die auf der Brille basieren, die Sie tragen. Ich bin sicher, dass Optiker, je nach Land, Kultur und Kontext, das auch tun, wenn sie einen Kunden sehen oder Menschen mit einer Brille auf der Straße beobachten. Die Verbindung von Brille und Kunst, wie es sie bei MASSADA gibt, ist eine Einladung, Mitglied des Clubs zu sein, dem nur einige Auserwählte und Erfahrene beitreten können. Es ist eine Aussage über die Zugehörigkeit zu einer bestimmten intellektuellen Gruppe. Es ist ein Statement der Ästhetik innerhalb der MASSADA-Experience. Brillen sind ein starkes Kommunikationsmittel im Luxussegment.

7. Ist die Kunst „nur ein schöner Kommunikationsrahmen“ für Euch oder lasst Ihr Euch auch im Brillendesign konkret von Kunst inspirieren? Wie zum Beispiel?

Alle unsere Werke sind kunstbezogen! Jede Fassung hat Ableitungen aus der Kunstwelt. Entweder spielt sich das in den Bügeln oder anderen Teilen wieder oder in der Geschichte, auf die sich die Fassung bezieht. Wir lieben es, Kunstwerke von Künstlern wie Jean Hans Arp, Constantin Brancusi oder Monet an unsere Werke anzupassen. In jedem Modell steckt ein bisschen Kunst. Die Namen und Beschreibungen erzählen die Geschichten, die in unserer Fantasie entstehen. Es ist wichtig, dass unsere Kunstinspirationen uns nicht dazu verleiten, die Fassungen zu überarbeiten, sie müssen immer durch den Nutzen gerechtfertigt sein.

Architektur ist Kunst mit viel Zweckmäßigkeit.

8. Architektur spielt ebenfalls eine große Bedeutung in Eurer Kommunikation: Ist diese ein Teil von Kunst oder handelt es sich um ein ganz anderes Genre, welches Ihr bedient.

Architektur ist der Ausdruck unserer Persönlichkeit. Wir denken, dass Architektur sehr stark mit der menschlichen Psychologie verbunden ist. Jeder, der Häuser baut oder Wohnungen einrichtet, weiß das. Architektur ist definitiv eine Kunst, da sie Phantasie erfordert und Ausdruck von sozialer Positionierung, Geschmack und Reichtum darstellt. Wir haben versucht, so viele Gebäude wie möglich aus verschiedenen Epochen zu betrachten. Architektur ist Kunst mit viel Zweckmäßigkeit. Sie ist wichtig, da sie Schutz oder andere Funktionen bietet, die im menschlichen Leben benötigt werden. Ein universelles Bedürfnis. Wir lassen uns gerne und oft davon inspirieren. So fasziniert uns beispielsweise das Teshima-Gebäude und unsere nach dem Gebäude benannten Modelle bestechen durch Kurven und die selbe Leichtigkeit der SANAA-Bauten.

9. Was zeichnet MASSADA Brillen neben ihrer Kunst-DNA aus?

Echtes Design und hervorragende Qualität. Wir verbringen viel Zeit mit der Gestaltung der Fassungen, wir versuchen, uns von anderen zu unterscheiden, und das erfordert viel Nachdenken und Perfektionismus. Wir wollen nicht in Extreme verfallen, unser Ziel ist es, einfache, aber einzigartige Formen zu kreieren. Aus unserer aktuellen Kollektion sind Shapes wie Rashōmon und Pogany gute Beispiele für einfache geometrische Formen. Aber wir haben auch viele andere Designs, die sehr zeitaufwändig sind: einfache Formen wie die Atmosphäre, inspiriert von Gernot Böhmes „Atmosphäre: Essays zur neuen Ästhetik“, ein Raumkonzept, das von der Präsenz von Menschen, Dingen und Umweltkonstellationen geprägt ist. Unsere Rahmen sind zeitlos. Wir sind keine Modemarke. Unsere Qualität ist hervorragend und wir arbeiten pausenlos, um die bestmögliche Technik zu liefern. Wir sind überzeugt, dass wir in dieser Hinsicht die Besten auf dem Markt sind. Wir werden die nächsten Wochen in der Sabae-Gegend verbringen und mit Fachleuten an der Entwicklung von Fassungen zu arbeiten, die wir bereits für die SILMO im nächsten Jahr entworfen haben. Es erfordert einen unglaublichen Aufwand, die Rahmen derartig zu entwickeln und herzustellen, ohne auf Massenproduktionsstätten zurückzugreifen. Wir sind jedoch bestrebt, Spitzenleistungen zu erbringen, und unser Qualitätsanspruch sehen wir als persönliche Herausforderung.

10. Müssen MASSADA Optiker über ein Mindestmaß an Kunstexpertise verfügen?

Optiker müssen ihre Kunden kennen. Ein bisschen Hintergrundwissen hilft beim Verkauf jeder Marke. Die Kenntnis des Kunden und der Labels helfen, beide Parteien zu verbinden und einen erfolgreichen Verkauf zu erzielen. Unser Angebot erfordert ein wenig Wissen, das in unserem Handbuch für Shops und Verkäufer enthalten ist. Sie können sich dieses Wissen leicht aneignen, indem Sie das kurze, handliche Heft lesen, in dem Marke und Produkt erklärt wird. Wenn Sie Ihren Kunden kennen und die DNA des Labels, können Optiker diejenigen zufriedenstellen, die sich für solch eine kunstbezogene Brillenmarke interessieren. Ein solcher Ansatz schafft einen Mehrwert für die Transaktion, da der Optiker zum Händler von kulturellem Gut wird.

Vielen Dank Chris!

Mehr Infos: www.massadaeyewear.com

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